Indirekte Preiserhöhung bei GC.COM

Heute abend ist einem Cacherkollegen aufgefallen, dass Groundspeak die Premiummitgliedschaten nun auch in Euro abrechnet. Das ist an sich eine gute Sache, allerdings werden so aus 29.99$ mal eben 29,99€. Beim aktuellen Dollarkurs (18.4.2013: 1 € ≈ 1,31 $) entspricht der in Euro angebene Preis also ca. 39 USD und damit sollen wir ganze 9$ mehr bezahlen als die Amis.

Premiummitgliedschaft Euro-Preise

Premiummitgliedschaft Euro-Preise

Es gibt jedoch einen einfachen Trick um wieder zum Dollarpreis zu kommen. Durch Klick auf den Link “Not your location?” (“Nicht dein Ort?”) öffnet sich die Länderauswahlliste. Wählt man nun ein Land außerhalb der EURO-Zone aus werden die Preise wieder in US-Dollar angezeigt:

Preise für Premiummitgliedschaft USD

Preise für Premiummitgliedschaft USD

Bezahlt man mit Kreditkarte oder PayPal werden die rund 30 Dollar zum Tageskurs in Euro abgerechnet, was aktuell 23 € entspricht. Das wiederum ist eine Ersparnis von satten 7 €!

Allerdings ist Groundspeak mit diesem Vorgehen nicht allein, Apple und und Google machen genau dasselbe, auch die machen aus Dollarpreisen 1:1 Europreise und erhöhen damit natürlich den Gewinn. Das macht bei einem Google Nexus 4 z. B. rund 70 € Aufschlag aus oder 150 € bei einem iPhone 5.

Update, 19.4.2013

Nachdem ich mich durch verschiedene Foren gewühlt und andere Blogartikel zum Thema gelesen habe, bin ich der Sache mal auf den Grund gegangen.

In der Tat ist es so, dass digitale Güter, und darum handelt es sich bei der Premium-Mitgliedschaft von geocaching.com, in dem Land umsatz-steuerpflichtig sind in dem der Käufer seinen Wohnsitz hat. Betrachtet man nun den neuen Preis von 29,99 € inklusive MwSt. unter diesem Aspekt, beträgt der Nettoerlös für Grundspeak 25,20 €, denn 4,79 € gehen an den deutschen Fiskus (vorausgesetzt GS hat sich ordentlich als steuerpflichtiges, ausländisches Unternehmen registriert). Bei der Rechnungsstellung muss also die dt. MwSt. ausgewiesen sein und das Unternehmen muss seine Steuernummer in Deutschland angeben.

Ein bisschen Rechnerei

Rechnet man nur den Nettopreis in US-Dollar um, sind das beim aktuellen Kurs trotzdem 33 $, was immer noch einem Aufschlag von 10% entspricht, denn der Nettoerlös in den USA beträgt weiterhin 29,99 $.

Nun kann man argumentieren, dass GS ja das Währungsrisiko trägt, doch der Wechselkurs ist mittlerweile relativ stabil, und der Euro müsste unter den Gegenwert von 1,20 $ fallen damit GS hier was verliert.

Allerdings gilt diese Art der Besteuerung schon seit 2003, und sofern GS seit damals ordnungsgemäß in Deutschland angefallene Umsatzsteuer bezahlt hat, mussten sie dies aus den bisherigen 30 $ Umsatz pro Kunde berappen, sprich umgerechnet auf 23 € wurden ca. 3,70 € MwSt. fällig, womit der Netterlös ca. 19,30 € oder 25,30 $ betrug.

Unterm Strich hat GS druch die Preisänderung den Erlös um fast 8 $ pro in Deutschland verkaufte Premium-Mitgliedschaft gesteigert, das sind satte 30%.

Doch genug der Rechnerei, bei allem gibt es eine gute Nachricht für diejenigen, die als Zahlungsweise “recurrent renewal” ausgewählt hatten: hier ändert sich vorerst nichts, es werden bei der Verlängerung weiterhin 30 USD abgerechnet.

Fazit

Durch die völlig intransparente Umstellung der Preise hat sich Groundspeak, wieder ein Mal, nicht mit Ruhm bekleckert. Dem daraufhin einsetzenden “Shitstorm” in Foren und auf Facebook wurde ebenfalls wenig souverän begegnet, es wurden auf der FB-Seite sogar Postings gelöscht.

Zwischenzeitlich wurde eingeräumt, dass die Kommunikation mit den Nutzern nicht gut war, und man in einer Sitzung mit der Geschäftsführung darüber beraten werde, so jedenfalls die Verlautbarung eines Groundspeak Lackeys im Forum.

This is definitely all a learning curve for us, and we apologize for the confusion. Our management has a meeting planned to discuss all of this and Bryan will be posting this afternoon in answer to your questions. Please bear with us during this transitional time.

Es ist sicher nicht zu erwarten, dass das Management etwas an der Entscheidung ändert, aber man darf gespannt sein, ob sich künftig die Kommunikation mit den Nutzern (=Kunden) verbessert.

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5 Antworten

  1. DonCarlos sagt:

    Kann das mit der Spracheinstellung zusammenhängen? Bei mir wurde vor zwei Wochen die Mitgliedschaft verlängert.

    Einstellungen: Homekoordinaten in Deutschland, Sprache Englisch

    Zitat aus der GS-Mail: “We successfully billed your VISA ending in the last four digits (…) for 30.00 USD.”

    Hab ich ja noch mal Glück gehabt…

  2. Chapeman sagt:

    Aktueller Stand der heißen Diskussion betr. der Premium-Beiträge:
    “This is definitely all a learning curve for us, and we apologize for the confusion. Our management has a meeting planned to discuss all of this and Bryan will be posting this afternoon in answer to your questions. Please bear with us during this transitional time. ” Forum Groundspeak von einem Mitarbeiter

    Der Ansturm auf Facebook und Forum scheint doch Wirkung zu zeigen. Bin mal gespannt …

  3. Steffen sagt:

    Ich habe eine Lücke im System gefunden um das Euro-Problem zu umgehen: ich habe mir selber eine 1-Year-Subscription geschenkt.

    Auf der Seite https://www.geocaching.com/gift/ könnt ihr sowohl im Feld Absender als auch im Feld Empfänger den gleichen Nicknamen eintragen. Das System stört sich nicht daran. Und diese Methode wird – zumindest im Augenblick – nur in USD abgerechnet. Bezahlen kann man per PayPal oder Kreditkarte. Innerhalt von einer Minute war mein Account verlängert für 30 USD.

  4. Ignal sagt:

    Ich kenne jemanden, der ist kurz in die USA gezogen, um 7 € zu sparen und etwas Spaß dabei zu haben. Im Adressformular gibt’s paar Plausis – wie weit die gehen, kann ich nicht sagen.
    Bei
    6655, North Maplewood Ave
    60618 Chicago, Illinois, USA
    N 42° 00.175′, W 87° 41.610′
    gibt’s ein Cacherasyl, so eine Art Schweiz oder Liechtenstein für Arme.