The Shining: Abschied von einem großen NC-/LP-Cache

Eine einsame, verlassene Location, dunkle Nacht, ein gruseliger Plot – Gänsehautfeeling. Wer kennt ihn nicht, den Thriller „The Shining“, der in dem einsamen Overlook-Hotel in den Rocky Mountains spielt. Schriftsteller Jack Torrance alias Jack Nicholson lässt sich als Hausmeister mit Frau und Sohn in dem verschneiten und von der Außenwelt abgeschnittenen Hotel einstellen. Während der kleine Danny von düsteren Schatten und Visionen gequält wird, verfällt Jack zunehmend dem Wahnsinn. Wer den Film gesehen hat, dem gehen die gruselige Melodie und blutüberströmten Szenen nicht mehr aus dem Kopf. Und der Irrsinn, der Nickolson in seiner Paraderolle aus den Augen flammt und einem die Schauer über den Rücken jagt. Ausgerechnet diesem Film hat Zaunkönig, eine kleine, zierliche Cacherin aus dem Heidelberger Raum, einen Nachtcache gewidmet, der über drei Jahre hinweg zum „Dauerbrenner“ werden sollte.

Jack im Keller

Kümmelbacher Hof

Dafür hatte sie die absolut passende Location gefunden: das verlassene Anwesen des Kümmelbacher Hofs in Neckargemünd. Auf einer kleinen Anhöhe war es um 1800 in schlossähnlicher Bauweise entstanden. 1879 bis 1920 fungierte es als Brauerei. Weitere Umbauten ließen hier das Kurhotel Kümmelbacher Hof entstehen, welches bis Anfang der 1960er Jahre in dieser Funktion genutzt wurde. Makabererweise fand hier sogar der frühere SS-Standartenführer Karl Jäger bis 1959 Unterschlupf, vermutlich geduldet von der damaligen Verwalterin des Kurhotels. 1964 wurde das Anwesen von Kaufhof erworben und als Ausbildungszentrum genutzt. 1976, nach der Übernahme durch das Berufsförderungswerk, wurde der ehemalige Hotelteil von Hartmut Ostermann zur Seniorenresidenz, der andere Teil teilweise als Fachschule für Altenpfleger umfunktioniert. 2005 zog sich der Inhaber zurück und überließ die gesamte Anlage dem Verfall.

Willkommen bei den Gradys

Am 20. März 2010 wurde der Mulit-Nachtcache „The Shining“ veröffentlicht, der wie der Film, die Cacherwelt gleichermaßen in den Bann ziehen sollte.

714 Favoritenpunkte (65%) sprechen für sich.

vdmyBCvGg49u-J2FhrUfijBoGvQ6a0r_2zXljxFNbh4Ich erinnere mich gut daran, als ich im Sommer letzten Jahres mit der Filmmelodie im Ohr durch die verwilderten Parkanlagen ging und die von Schlingpflanzen umwachsenen Jugendstillampen bewunderte. Ein Gefühl, als ob die Zeit still stünde, überfiel einen hier und man wartete regelrecht darauf, dass Jack um die Ecke kommen würde. Die Stationen dieses Caches waren nah an die Handlung des Films angelegt und die düstere Faszination ließ mich nicht mehr los.

Bonus: The Cache Hunt Project

Am 28. Februar 2011 legte Zaunkönig noch nach und veröffentlichte den Bonuscache „The Cache Hunt Project“. „Macht diesen Cache nur, wenn ihr ein starkes Nervenkostüm nachweisen könnt und keinen Herzschrittmacher tragt“, mit diesen Worten warnte die Ownerin zartbesaitete Cacher.

7z6JiB-TaVJaIzVZJKPYIbQpWZ31j2Kmkna_r4bsvkYHier waren dann wirklich starke Nerven gefordert und wer nicht Liebhaber gewisser kleiner Tierchen war, hatte in dem maroden Gebäudekeller nichts verloren. Eine schaurige Inszenierung erwartete einen hier, begleitet von in Gläser eingelegten Innereien, blutigen Handabdrücken und schrillen Klängen, die per Photozelle bei Lichteinfall zu hören waren und durch Mark und Bein gingen.

Schließung des Anwesens

Einen Brand im Dachstuhl im Februar 2013 hat dieser Cache überlebt. Im Herbst aber kam dann das, was irgendwann kommen musste. Gebäude und Gelände wurden entrümpelt, die Ownerin entfernte die Stationen des Caches. Lange wurde die Hoffnung gehegt, dass es hier doch noch weiter gehen könnte. Doch am 13. Januar erschien die traurige Nachricht: „ Das Overlook Hotel schließt seine Pforten“. Die verwunschenen Wege durch die Parkanlage waren gerodet, Fenster und Türen zugemauert. Ein Wachdienst hält nun rund um die Uhr die Augen auf, ob jemand die Schilder „Zutritt für Unbefugte verboten“ ignoriert.

Interview mit Zaunkönig

Zaunkönig, die sich zu diesem letzten Schritt entschließen musste, hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, einige Fragen zu ihrem Cache zu beantworten. Wir trafen uns in Neckargemünd und besuchten zusammen ein letztes Mal im einsetzenden Nieselregen bei Tageslicht das verlassene Gelände um das Gebäude des „Overlook Hotels“.

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Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, an diesen Ort gerade diesen Cache zu legen?

Alles begann im Januar 2010. Ich war auf der Suche nach einer passenden Location für meine Asterix-Serie. Es sollte ein verlassenes Gebäude für „Die Trabantenstadt“ sein. Von meiner Suche hatte ich „Frau Rotznase“ erzählt. Sie war es dann, die mir bei einem Gassigang den Kümmelbacher Hof als potentielle Location zeigte. Es war ein kalter, sonniger Morgen. Der Schnee lag wie Puderzucker. Als wir vor dem ehemaligen Seniorenheim standen meinte sie „Das sieht doch aus wie das Hotel im Film The Shining?“ Das war sozusagen der Startschuss für den ersten Grusel- LPC/ NC der Region und die Mission Trabantenstadt landete in der Schublade (wo sie übrigens immer noch liegt).

Welche Stationen waren besonders nahe an den Film angelegt?

Jede Stage war einer Filmsequenz zugeordnet. Zu Anfang war das Gelände noch im „sehr guten Zustand“ für einen Lost Place. So konnte die Wegführung zwischen den Gebäuden passend zu den Stages und dem originalen Filmablauf gelegt werden. Das Dreirad, die REDRUM-Tür und die Schreibmaschine waren natürlich die Highlights, die mit dem dazugehörigen MP3-Sound ordentlich Gänsehaut fabrizierten!

Welches war deine Lieblingsstage?

Ich mochte das Fenster zur Bar. Wenn man da so im Dunkeln stand und reingeschaut hat, die Stimme von Jack im Ohr wie er im Gold Room an der Bar mit dem Barkeeper spricht. Gerne hätte ich einmal diesen Barkeeper namens Lloyd gespielt und mich hinter der Theke versteckt bis ein Team kommt um dann aufzustehen und ganz cool ein Bier einzugießen. Aber irgendwie hat die Vernunft gesiegt, wollte ich dann doch vermeiden, dass ein Cacher vor Schreck einen Herzinfarkt bekommt. Das wäre wohl zu viel Horror gewesen. 😉

Wie viele Jahre war der Cache denn nun aktiv und wie viele Besucher hatte er?

The Shining war von März 2010 bis Dezember 2013 aktiv. In dieser Zeit haben 1258 Cacher „Found it“ geloggt. Manche kamen am Tag zurück um sich das Gelände bei Sonnenlicht anzusehen oder haben sich nochmal einem anderen Team angeschlossen um die Nacht dort ein weiteres Mal erleben zu können.

Im Februar 2011 hast du dich nochmal selbst übertreffen und den Bonus „The Cache Hunt Project gelegt. Kannst du uns hiervon ein bisschen erzählen?

Das war eine spontane Idee von meinem Sohn Marvin und mir. Während einer der unzähligen Wartungen ist uns das kleine Häuschen aufgefallen. Bei genauerer Inspektion ergab sich für Marvin die Idee hier ein kleines Horrorszenario zu bauen. Mit Requisiten aus dem Faschingsbedarf und mit Bauteilen von cachestation.de konnte dann der mutige Cacher, nachdem er den Hauptcache The Shining überlebt und ein kleines Rätsel im Final gelöst hatte, noch diesen Bonus loggen. Hierbei bekam der Cacher die Möglichkeit sich einmal selbst wie ein Akteur in einem Horrorfilm zu fühlen. Dazu bekamen wir auch unglaublich viele lustige Logs und etliche positive Emails.

Du hast unglaublich viel Arbeit in diese legendären Caches gesteckt! Wie oft musstest du denn zur Wartung ins Overlook (dass du da nachts nicht besonders gerne hin gegangen bist, das hast du mir ja schon letztes Jahr geschrieben)?

Es waren unzählige Wartungseinsätze. Regelmäßig mussten die Reflektoren freigeschnitten, Stationen ersetzt, oder verlegt werden. Der Haken bei der Sache war, dass ich alleine nicht mutig genug war um das Gelände aufzusuchen. Es musste also auch am Tag jedes Mal einer meiner Söhne, mein Mann oder ein williger Cacherkollege mit. Die Wartung beim Bonuscache war je nach Spinnenpopulation am kritischsten!

Im Hintergrund war ja auch immer noch „Frau Rotznase“, die ihre Gassirunde am Overlook machen konnte um eben schnell was zu kontrollieren.

Was man jedoch kaum bedenkt ist die Heimarbeit! Sie war ausgefüllt von täglich mindestens 10 Emails. Bis ein Team am Start war, konnte es im Vorfeld viel Schriftverkehr geben. Es gab zum Beispiel Terminüberschneidungen im Kalender, die manchmal nicht von den Teams selbst geregelt werden konnten.

Viele kamen nicht mit der MP3 zurecht oder hatten Anfragen wo man übernachten oder einkehren kann, ob man nicht doch die Kinder oder die Hunde mitbringen kann, etc.

Es kamen aber auch viele Emails von den Cacherteams, die einfach nochmal danke sagen wollten für die unvergessliche Nacht. Meine Nächte waren jedoch manchmal sehr unruhig, da ich, als der Cache immer populärer wurde und die Teams von weither anreisten, Telefonjoker spielte. Dies war mir sehr wichtig, da ich selbst gerne weit fahre um einen richtig guten Cache zu machen und dann auch sehr dankbar bin wenn der Owner im Notfall seine Hilfe anbietet.

Musstest du öfter zerstörte Stationen reparieren?

Leider ja. Für beide Caches gingen 6 Schreibmaschinen, 3 Dreiräder, 4 Geldkassetten, 3 Vorhängeschlösser, 4 Soundmodule, mindestens 3 Liter Kunstblut, diverse Körperteile, Werkzeug und bestimmt 500 Seiten „all work and no play makes jack a dull boy“ drauf.

Würdest du diesen Cache wieder legen, wenn du den Aufwand bedenkst?

Auf jeden Fall! Es war zwar eine anstrengende aber auch sehr schöne Zeit. Durch die vielen netten Emails, habe ich in ganz Deutschland, jede Menge Kontakte von lieben Cacherkollegen in meinem Handy, die auch gerne Telefonjoker spielen.

Einige Zeit war The Shining disabled, wohl in der Hoffnung, dass er wieder ins Leben gerufen werden kann. Wie ging es dir, als du dich zur endgültigen Archivierung entschließen musstest?

Ich habe das Geschehen der Entrümpelung und Rodung aus der Ferne beobachtet, immer in der Hoffnung, dass es bald endet. Als dann die Verbots -und Wachschutzschilder angebracht wurden, war es sozusagen der Todesstoß. Es ist mir dann sehr schwer gefallen die letzte Note für die Archivierung zu formulieren.

Sicherheitsdienst kontrolliert das Gelände

Wir hören ein Auto anfahren und werden vom Sicherheitsdienst entdeckt, der hier mittlerweile regelmäßig das Areal kontrolliert. Da auch Fotografieren hier ohne Erlaubnis verboten ist, müssen wir das Gelände verlassen. Ein eigenartiges Gefühl, vor allem für Michaela, hier Abschied zu nehmen.

Mit „The Shining“ hat Zaunkönig ein wirklich großen Nachtcache an einem verwunschenen Lostplace geschaffen, der seine Aufnahme in die Liste der bessercacher-Caches wahrlich verdient hatte.

Ich bin mir sicher, dass ich für alle spreche, die diesen Cache gemacht haben: vielen Dank Zaunkönig, für deine genialen Ideen, deine vielen Wartungsrunden und deine Bereitschaft, bis zum Schluss noch zu hoffen, dass es hier weiter geht.

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Möge dieser Bericht die Erinnerung an diesen legendären Cache hochhalten!


Anmerkung der Redaktion:

Da der LP-/NC-Cache „The Shining“ weithin bekannt war, wurde der Artikel zunächst dem Geocaching-Magazin für die Ausgabe 3/2014 zur Verfügung gestellt. Wie vereinbart veröffentlichen wir nun zeitversetzt den kompletten Bericht mit Bildern und Interview hier im Blog von BadenGeoCaching.de.


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1 Antwort

  1. 8. Dezember 2014

    […] der Archivierung von The Shining, dem Schlüsselmacher und Ölaf verschwanden die letzten Lost Place Caches in unserer […]