Interview mit Bryan Roth

Besuch bei den Spielen schon früh angekündigt

Schon früh kündigte er per „will attend“ seinen Besuch bei den Cacheland-Games an: Bryan Roth, einer der drei Groundspeak-Gründer war am Wochenende im  schönen St. Gallen. Zusammen mit seiner Frau Heidi und Lackey Mario verbrachte er vorher schon einige Tage in der Schweiz und schwärmte ganz besonders von seinem Besuch in Liechtenstein.

Ich hatte mich mit ihm zum Tausch unserer personal Geocoins und für ein Interview beim Event verabredet.

Roth Coin

Strahlend und dynamisch wie immer erschien der 46-jährige Bryan am Samstag und freute sich zunächst über den direkten Kontakt zu etlichen Geocachern, die ganz wild auf ein gemeinsames Foto mit ihm waren. Ich strahlte, als er mir seine personal Coin in die Hand drückte und gab ihm dafür eine meiner eigenen Peace Turtles, die nun auf dem Weg nach Seattle ist. Bryan nahm sich gerne Zeit, um die von mir mitgebrachten Fragen zu beantworten. Kein einfaches Unterfangen mitten im lauten Trubel des Events 😉 .

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Interview

Wuselelfe: Vor 16 Jahren hast du gemeinsam mit Jeremy und Elias geocaching.com gegründet. Wer genau hatte die Idee, wie habt ihr das zusammen gemacht?

Bryan: Jeremy hatte die Idee der Website und er erstellte die erste Version der Seite geoaching.com im frühen September 2000. Innerhalb weniger Tage sprach er mit Elias und mir und schlug uns vor eine Firma zu gründen. Jeremy kümmerte sich um die Weiterentwicklung, Elias um IT, Server und Internet und ich bin verantwortlich für alle nicht-technischen Angelegenheiten wie Finanzen und Kontakte.

Wuselelfe: Gehst du eigentlich selbst noch cachen, vielleicht auch deine Familie?

Bryan: Ich habe zwei Söhne und meine Frau Heidi, die immer wieder mit mir cachen gehen. Ich lernte Heidi bei einem Geocaching Event am 18. November 2001 kennen, dieses Jahr kennen wir uns dann 15 Jahre. Die Coin, die ich dir gegeben habe, stammt von unserem 10. Jahrestag, den wir genau am gleichen Datum, am gleichen Ort und zur selben Zeit feierten. Dieses Jahr werden wir im November zum 15. Jahrestag wieder ein Event feiern und es wird auch eine neue Coin geben.

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Wuselelfe: Dann muss ich dich nochmal treffen, um wieder mit dir zu tauschen ;-).

Bryan: Das wäre super!

Wuselelfe: Was sind eigentlich deine Hobbies, mal abgesehen vom Geocaching?

Bryan: Ich laufe gerne, ich laufe oft mit meiner Frau und meinem Hund, ich fahre gerne Snowboard und ich mag Wassersport: Wakeboard, Schwimmen und auch Jet-Ski. Dann spiele ich noch gerne Fussball und schaue mir auch die Spiele an. Wir haben Dauerkarten und versuchen zu allen Spielen zu gehen.

Bryan Roth Tag

Wuselelfe: Wie viele Länder hast du besucht und welche Länderpunkte hast du?

Bryan: Da muss ich mal überlegen: Schweden Schweiz, Finnland Niederland, Belgien, Luxemburg, Lichtenstein, Deutschland, Portugal, tschechische Republik, Neuseeland, Frankreich, Spanien, Mexiko, viele Länder der Staaten, Canada, Ägypten, Israel. Ich denke, das waren wahrscheinlich alle.

Wuselelfe: Schreibst du noch Logs wenn du einen Cache gefunden hast?

Bryan: Ja natürlich! Immer wenn ich einen schönen Cache gefunden habe, nehme ich mir Zeit, einen netten Log zu schreiben für die Menschen, die den Cache gelegt haben. Nur so ist das Spiel möglich! Ich schätze dies sehr und möchte gerne Danke sagen. Ich schreibe immer mit wem ich cachen war und was mir besonders gut gefallen hat. Manchmal lasse ich einen Tag zurück und bedanke mich damit.

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Wuselelfe: Besitzt du eigentlich noch eigene Caches?

Bryan: Im Moment habe ich keine aktiven Caches wie in der Vergangenheit. Aber Heidi und ich entwickeln gerade eine Idee und werden wohl in den nächsten Monaten wieder einen legen.

Wuselelfe: Heute morgen kam gerade der neue Newletter, fast 2,5 Millionen Geocaches sind weltweit versteckt. Wohin wird sich Geocaching entwickeln, wird die Community weiter wachsen?

Bryan: Ja ich denke sie wird wachsen. Ich denke das, weil Geoaching so vieles beinhaltet was Spaß macht und Freude bringt. Wir haben jetzt 15 Millionen Accounts, die sind natürlich über viele Jahre entstanden. Viele spielen das Spiel nicht mehr, sie haben andere Hobbies, was ok ist. 15 Millionen ist zwar eine große Zahl aber es gibt noch viele Millionen mehr, die das Spiel nicht kennen. Wenn sie herausfinden, dass das Spiel Erforschung, Abenteuer und Entdeckung bedeutet, werden sie es auch zu ihrem Hobby machen und die Welt entdecken.

Wuselelfe: Da ich hauptberuflich im Schuldienst tätig bin, ist für mich die Beziehung Bildung und Geocaching wichtig. Wie kann sich das ergänzen?

Bryan: Bildung ist etwas sehr Wichtiges für mich. Meine Frau ist jede Woche ehrenamtlich in Schulen unterwegs. Wir nutzen hierzu Lab Caches, denn mit ihnen kann man gut eigene Erfahrungen  machen. Geoaches auf ein Schulgrundstück zu legen ist nicht gut, denn dann kommen fremde Menschen in die Schulen. So aber stellen wir in den USA den Lehrern das Lab Cache-Programm zur Verfügung, damit sie Unterrichtsstunden entwickeln, die die Schüler aus ihren Klassenzimmern herauslocken und so anders lernen.  Wenn du selbst daran Interesse hast, sag mir Bescheid und wir werden eine Lösung finden. Mit Lab Caches kannst du Filme, Texte und Bilder nutzen, den Schülern eine Geschichte erzählen und ihnen so etwas beibringen. Sie müssen kreativ sein, sie können dort auch Fragen beantworten um zu zeigen, was sie gelernt haben. Man kann wissenschaftliche Themen verwenden, die Umwelt erkunden und entdecken, Mathematik anwenden. Wenn du das wirklich mal machen willst, gib mir Bescheid.

LabCache

Wuselelfe: Das hört sich interessant an, ich werde mich gerne bei dir melden. Von der Bildung zum Vergnügen: immer mehr Events haben außergewöhnliche D/T Wertungen auch wenn sie an einer 1/1 Location stattfinden.

Wie ist deine Meinung dazu?

Bryan: Im Augenblick ist es erlaubt, den Events die Wertung zu geben, die man gerne möchte. Es wird aber ein klein wenig ausgenutzt und wenn ich es alleine zu entscheiden hätte, würde ich die Wertungen limitieren. Wenn es natürlich ein Event auf einem Berg ist, sollte es eine höhere T-Wertung bekommen. Wenn es jedoch ein Event in einem Park ist, wie kann es da eine 4/4 Wertung haben, vor allem wenn es auch von Menschen mit Behinderungen besucht werden kann.

Wuselelfe: Wenn D/T Wertungen für Events ok sind, dann kann doch eigentlich nur der Ort an dem das Event stattfindet gewertet werden. Es macht ja keinen Sinn ein Logbuch auf einem Baum zu deponieren, wenn es nicht notwendig ist ein Logbuch auf einem Event zu signieren. So sind wohl all diese ungewöhnlichen D/T Wertungen etwas für die Statistik und alle Besucher bekommen diese Wertungen, egal ob sie das Logbuch im Baum erreicht haben oder nicht. Die Guidelines berücksichtigen dies nicht, vielleicht ist dies aber auch ein typisch deutsches „Problem“?

Bryan: Ich schätze es wirklich, dass Menschen an die Grenzen gehen und ausprobieren wie weit sie gehen können, was z. B. das Klettern auf Bäume angeht, so geht das Spiel. Gleichzeitig ist es aber so, dass die Guidelines nicht alle Besonderheiten berücksichtigen können. Wir mussten lernen, dass es nötig ist neue Guidelines einzuführen, wenn Leute Dinge tun, die zum Problem werden. Ob ein Logbuch auf einem Baum ist oder nicht, ist wahrscheinlich nicht so das Problem. Ist es etwas was geregelt werden muss? Vielleicht ja, vielleicht nein. Für mich ist es ok. Vielleicht werden wir es eines Tages regeln. Momentan gibt es so viel wichtigere Aspekte auf die man den Focus richten muss. Ich denke, es ist wichtiger einen positiven Einfluss auf die Umwelt, die Natur zu haben, ein gutes Verhältnis zu den Landbesitzern/Pächtern pflegen. Wenn das alles gut klappt, kann man sich dem Logbuch im Baum zuwenden, wenn es nicht vorher jemandem weh tut. Wenn ich ein Event hätte, dann würde ich das Logbuch auf den Tisch legen und jeder könnte unterschreiben der will. Das Spiel wird auf so viele verschiedene Arten gespielt. Es gibt Richtlinien und Regeln aber wenn man niemanden schadet oder Probleme verursacht, dann ist auch Platz für Spielraum im Spiel. Das ist der Weg auf dem das Spiel wachsen kann, mehr Menschen fasziniert, und mehr Spaß machen kann.

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Wuselelfe: Letztes Jahr fand die letzte Block Party statt. Gibt es dazu neue Ideen?

Bryan: Es gibt sehr viele verschiedene Überlegungen. Einer der Gründe warum wir sie nicht mehr veranstalten besteht in der enormen Arbeit, die solch großes Event mit sich bringt. Und wir haben gesehen, dass nur ein ganz kleiner Prozentsatz der Geocacher aus der ganzen Welt nach Seattle reisen konnte. Aber die Anstrengungen sollten eigentlich alle Geocacher erreichen.

Ich denke, der Focus liegt darauf, die ganze Community zu erreichen anstatt den kleinen Teil der nach Seattle reisen kann. Was ich persönlich sagen möchte – darüber diskutieren wir auch bei Groundspeak – ist, dass  man nachdenken kann nicht jedes Jahr sondern alle fünf Jahre  ein Event auszurichten. Das letzte Event war zur 15-Jahrfeier, vielleicht wird es zum 20. Geburtstag wieder etwas geben. So können alle länger planen, Geld sparen, vielleicht können wir alle fünf Jahre eine noch größere Party feiern.   Bis jetzt ist das nur meine eigene Ansicht, aber wir werden sehen, was passiert. Die Block Party ist auf jeden Fall die Gelegenheit für die Geocacher, alle Groundspeak Mitarbeiter gleichzeitig kennen zu lernen.

Block Party 2013

Wuselelfe: Wie hat es dir hier in der Schweiz gefallen? Möchtest du zum Abschluss noch etwas zur Community sagen?

Bryan: Zunächst zu den Geocachern in der Schweiz: meine Frau, Mario und ich haben uns hier in der Schweiz so willkommen gefühlt. Es ist ein solch wunderschönes Land. Wir haben einige Zeit in Zürich verbracht, in St. Gallen und morgen fahren wir nach Luzern. Ich war bereits 1992 hier und zwar in Interlaken. Zusammen mit meinem Bruder und meinem Cousin sah ich einen Wasserfall im Berg und ging klettern. Es war so schön, dass ich zurückkommen und meine Frau mitbringen konnte. Alle Menschen die wir hier trafen haben uns willkommen geheißen. Wir sind so glücklich, ein Teil der Geocaching Community zu sein. Überall, ob hier in der Schweiz, Europa oder USA sind wir stets willkommen. Aber auch neue Geocacher werden immer willkommen geheißen und das ist ein wunderbarer, ganz spezieller Aspekt des Spiels. Genau wie wir so glücklich sind, daran teilzuhaben, darf jeder glücklich sein, Teil des Ganzen zu sein. Das Letzte was ich sagen möchte ist: DANKE, danke an jeden der Caches versteckt, Caches findet, Logs schreibt, Bilder hochlädt. Danke an die Reviewer, die Übersetzer! Wir sind nicht nur eine Gesellschaft die etwas aufgebaut hat, wir sind eine Gemeinschaft, für jeden, an der jeder auch teilhaben kann.  Danke an alle die Teil des Ganzen sind!

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Wuselelfe: Danke Bryan, für das Interview!

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1 Antwort

  1. Bryan Roth sagt:

    Thank you so much for sharing my comments with your readers! It was a pleasure to meet with you in St. Gallen and also to exchange geocoins. I will look forward to seeing you at another geocaching event, or on the trail, in the future. Best wishes and Happy Geocaching! -Bryan