Geocaching HQ archiviert “Paddeln bis zum Umfallen” auf dem Neckar

Anfang Dezember 2018 wurde auf dem Neckar die Cacheserie “Paddeln bis zum Umfallen” veröffentlicht. Die Caches wurden auf einer Strecke von ca. 30 km zwischen Bad Cannstatt (Stuttgart) und Beihingen ausgebracht und sollten nur mit dem Boot erreichbar sein.

Von wohl geplanten 100 Caches, wurden 93 veröffentlicht. Schon kurz nachdem die Serie bekannt wurde, gab es auch erste kritische Stimmen. Zum einen wurde die schiere Masse an Dosen kritisiert, zum anderen auch die Nähe zum Uferbereich, wo stellenweise seltene Vögel ihre Nester haben und brüten. Der Neckar ist nicht nur Wasserstraße sondern auch Habitat für Flora und Fauna.

Offizielle Stellen sind nicht eingebunden

Da fast alle (85 von 93) dieser Caches als T5 gelistet wurden, stellte sich auch die Frage nach der Genehmigung, welche bei T5-Geocaches in der Regel verlangt wird. Eine Nachfrage beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stuttgart ergab, dass man dort nichts von diesen Caches wusste. Auch bei der Initiative “Unser Neckar” war nichts darüber bekannt.

Bereits am 9.12.18 hat JR849 die Geschichte unter der Überschrift “Nachhaltigkeit beim Geocaching” in seinem Blog thematisiert und einen Tag später gab es die erste Forderung nach Archivierung. Zwar waren mehrere Cacher schon unterwegs und haben fleißig geloggt, doch damit ging auch die Diskussion los. Allerdings wurden die entsprechenden Logs recht schnell vom Owner gelöscht, was leider in solchen Fällen üblich ist. Natürlich immer mit dem Hinweis, dass ein Geocaching Listing kein Diskussionsforum sei. Das ist im Prinzip richtig, allerdings auch ein probates Mittel um (berechtigte) öffentliche Kritik zu unterdrücken.

Reviewer und Geocaching HQ reagieren

Es hat dann nochmal zwei Tage gedauert, die der zuständige Reviewer die Caches mit dem Hinweis auf Klärungsbedarf deaktiviert hat. Die Diskussion wurde jedoch erst weitere zwei Tage später endgültig unterbunden, als die Listings durch den Geocaching HQ Admin gelocked wurden. Allerdings hatten sehr schnell recht viele Leute die Caches auf der Watchlist und auch wenn die Listings von “unerwünschten” Beiträgen bereinigt wurden, existieren bei den Beobachtern natürlich die E-Mail Benachrichtigungen.

Der Owner archivierte zwischendurch ein paar Caches in deren Nähe sich unter anderem Nester des Eisvogels befinden. Die eine oder andere Dose ist auch verschwunden. Ansonsten ist Stille, denn alle halten sich bedeckt.

Serie wird archiviert

Am späten Abend des 10. Januar 2019 trudeln wieder E-Mail-Benachrichtungen ein. Die verbliebenen Caches wurden vom Geocaching HQ Admin mangels Erlaubnis archiviert. Offenbar konnte der Owner nicht glaubhaft machen, dass er berechtigt ist diese Caches auszubringen bzw. diese im Rahmen einer allgemeinen Erlaubnis möglich seien. Das wirft auch kein gutes Licht auf den Reviewer, denn er hat die Caches für die Veröffentlichung freigegeben.

Das soll ja wohl ein geanz schlechter Scherz sein! Lieber [Name des Reviewers], das du offenbar eine Vorliebe für qualitätslose Powertraildosen wie zB WIR und WUR und HyperHyper und ähnliche hast, ist inzwischen recht bekannt. Auch das dabei der Naturschutz gerne vernachlässigt wird.
Aber einen Powertrail mit Dosen im Ufergebiet eines Flusses, das soll ja wohl ein ganz ganz schlechter Scherz sein! Kanpp 100 Dosen entlang eines Flusses welcher auf Dauer mal wieder unzählige Scharen an Punktesammlern anlockt, welche das Ufergebiet niedertrampeln ohne Rücksicht auf Verluste! Dass der Owner wohl etwas Ruhm abbekommen will, kann ich fast noch verstehen, das aber wieder so ein Schwachsinn von dir freigeschaltet wird, der Umwelt und Ruf des Hobbys zumindest nicht verbessert, geht mir nicht runter!
Der NA gilt natürlich für die gesamte Serie, ist mir aber zu blöd, das überall zu loggen. Mail an Groundspeak Headquarter geht raus, dann natürlich auch ohne Fake-Akkount.

Dass dieser NA-Request mit einem Sockenpuppen-Account geloggt wurde ist leider nur zu verständlich, denn Geocacher die sich trauen sowas zu schreiben wurden in der Vergangenheit von Teilen der Community böse angegangen. Der Verfasser ist der Redaktion übrigens nicht bekannt.

Was bleibt sind Ungereimtheiten

Am Ende bleiben einige Fragen offen. Außer der, warum die Caches als Letterboxen bzw. WherIGos eingereicht wurden. Die hat der Owner schon im Listing beantwortet:

Falls Ihr Euch fragt: Warum nur Letterboxen und Wherigos und keine Tradis?
Meine Antwort: Darum! Eigentlich wollte ich APEs machen – geht aber komischerweise nicht;-)
Außerdem hat der Owner angeboten bei Bedarf ein Schlauchboot bereitzustellen, gegen eine Leihgebühr.
Nachtrag:
Wer kein Boot besitzt, kann ein Schlauchboot (natürlich auf eigene Verantwortung) für 4-5 Personen zulässige Gesamtzuladung 500kg mit Zubehör Paddel, Pumpe,… für 30 Euro ausleihen.
Hierfür bitte Nachricht mit ein paar Tagen Vorlaufzeit zur Einplanung an:
xxx-xxx-xxxx-xxxx@web.de

Nachdem die Archivierung gefordert war, gab es natürlich Widerspruch im Log von einem Finder:

Super! Was für eine Wochenendaktivität! Geocaching ist doch ein prima Hobby … An dieser Stelle erst mal vielen Dank an [Name des Owners], welcher sich die Mühe gemacht hat, diese große Serie in Angriff zu nehmen, und auch für Wartungsarbeiten zur Verfügung zu stehen. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Nur durch solche Cache-Owner sind wir überhaupt in der Lage, unserem Hobby nachzugehen. Ohne Owner keine Caches. Ich kann es mir nicht verkneifen, an dieser Stelle in die Diskussion über Naturschutz und Geocaching einzusteigen – insbesondere, da zahlreiche Caches dieser Serie inzwischen bereits zur Klärung deaktiviert oder sogar schon archiviert wurden. Wie schade! Es ist mir völlig unverständlich, warum außgerechnet [Name des Owners] durch eine besonders strenge Prüfung seiner Caches auf Einhaltung von Naturschutz geprüft wird. Vermutlich aufgrund der “Größe” seiner Serie und der massiven Beschwerde einzelner (oder sogar nur eines einzelnen, welcher mit einem Dummy-Acount sogar anonym bleiben will, wie feige!)? Diese ungleiche Behandlung halte ich insgesamt nicht für gerechtfertigt. Natürlich stimmt das Argument, dass ein Geocache immer mehrere Menschen in die Natur lockt und beim Suchen und loggen zwangsläufig auch immer Spuren, ggf. Beschädigungen in der Natur zu erwarten sind, die ansonsten unterbleiben würden. Dieses Argument stellt aber unser Hobby Geocaching insgesamt in Frage. Eigentlich müssten daher dann alle Geocaches abgeschafft werden und Geocaching.com sollte geschlossen werden. Dies würde definitiv zu mehr Natur- und Umweltschutz beitragen. Aber ist dies denn auch angemessen? Ich spare mit weitere Ausführungen und lasse euch mit diesem Denkanstoss selbst weiter nachdenken

Eine Erwiderung darauf ließ nicht lange auf sich warten, wurde jedoch gelöscht:

Nicht jeder, der sich in der Natur bewegt, ist auch ein Naturliebhaber oder gar Naturschützer. Manch einer scheint zu glauben, die Natur ist ein großer Spielplatz, der für das persönliche Vergnügen abgenutzt werden kann. Auch mancher Geocacher verhält sich so. Natürlich kann es schon mal vorkommen, dass man auf der Jagd nach einer Dose das Große Ganze aus den Augen verliert und quer durch den Wald rennt, statt einen angelegten Weg zu nehmen. Aber irgendwann sollte es dann wieder Klick machen und wir sollten uns bewusst werden, dass wir uns in der Natur und deren Kinderstube befinden. Es ist schön, wenn uns die Dosen an besondere Stellen locken. Problematisch wird das erst, wenn dabei die Grenzen zu den dort lebenden Tieren und Pflanzen überschritten werden und die Dosendichte so groß ist, dass eine große Zahl von Cachern und insbesondere Statistikfreaks angelockt werden. In diesem Fall sind es ca. 100 Dosen, die etwa alle 200 m am Ufer angebracht wurden. Und schon kommen Cacher aus ganz Deutschland. Mit Motorbooten! Ausweichen in die Flussmitte lohnt für die kurze Strecke auch nicht. Es mag mancher ja denken, na und, im Winter brüten ja keine Vögel. Aber… sie sind trotzdem da! Jedes Aufschrecken verbraucht Energie, die im Winter deutlich schwerer wieder zugeführt werden kann. Wenn sie den Winter überleben, werden sie im Frühjahr hier wieder ihre Nester bauen. Und die Fische sind doch unter dem Boot… Fische sind wechselwarme Tiere, die Ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen. Sobald es kalt wird, fahren die Fische ihren Stoffwechsel so weit wie möglich herunter. Im Körper der Fische läuft alles viel, viel langsamer ab. Sie atmen nicht mehr so schnell, auch ihr Herz schlägt extrem langsam, sie zehren vom Fett, das sie im Sommer angefressen haben. Sie bewegen sich nur noch, wenn es unbedingt sein muss. Sie verstecken sich zwischen Wurzeln und alten Blättern, die im Wasser herumliegen. Werden die Fische am Ufer also immer wieder aufgeschreckt, verlieren sie jedes Mal Energie, bis sie schließlich verhungern. Was für Vögel und Fische gilt, gilt ebenso für das Wild im Wald. Auch hier bedeutet jedes Aufschrecken unnötigen Energieverlust, der im Winter nur schwer oder gar nicht ausgeglichen werden kann. Schlimmstenfalls verhungern Rehe, Hasen, Siebenschläfer und Co, wenn sie durch gedankenlose Cacher im Winter aufgeschreckt werden.

Diese beiden Logs kann man durchaus stellvertretend betrachten für zwei Fraktionen, die jeweils einen Teil der Geocaching Community ausmachen. Wobei der Finder noch recht moderat schreibt. Es gibt Cacher die sowohl verbal, als auch beim Cachen  selbst, wesentlicher rücksichtsloser unterwegs sind.

Auf die Kreativlogger, um die im Zusammenhang mit den oben genannten Caches ebenfalls eine Diskussion entstanden ist, gehe ich hier nicht weiter ein, das hat der Kocherreiter schon gemacht.

Fazit

Es zeigt sich wieder ein Mal, dass es nicht gut ist, wenn Geocacher machen was sie wollen. Weder beim Verstecken noch beim Finden von Geocaches hat der Spruch “soll doch jeder so spielen (cachen) wie er will” eine Berechtigung. In letzter Instanz geht es immer zu Lasten der Community. Bei solchen Geocaching “Projekten” ist Kommunikation das A und O um eine gute Beziehung mit den Beteiligten und Verantwortlichen herzustellen. Da muss man als Owner proaktiv sein und auch offen für Kritik, denn wenn diese im Vorfeld erfolgt, dann kann es was werden. Vielleicht wären es weniger Dosen geworden, vielleicht wäre auch gar nichts genehmigt worden. Aber alle hätten gewusst woran sie sind. Bei dem jetzigen Ausgang der Geschichte sind leider jede Menge Ressourcen unnötig verbraten worden.

Geocaching soll Spaß machen, nicht nur einigen wenigen, sondern allen. Dabei ist Rücksicht auf Flora und Fauna  unabdingbar, denn dann bietet Geocaching auch ein Naturerlebnis ohne die die Natur nachhaltig zu schädigen. Das freut dann nicht nur Geocacher!

Hinweis: die im Beitrag verwendeten Zitate stammen aus Logs bzw. den E-Mail-Benachrichtigungen, sofern die Logs gelöscht wurden.

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5 Antworten

  1. Fritz-237 sagt:

    Wie schön das dieser Trend “Paddel – Letterboxen” nun auch mit Verspätung in BaWü angekommen ist und anscheinend heftig diskutiert wird. Wer das ganze in aller Ruhe und ohne Diskussion erpaddeln will, dem sei das Original ans Herz gelegt. Hier in Ostfriesland und in Friesland werden die Kanäle schon etwas länger so verziert und alle nehmen es in Ruhe hin.
    Bis gleich am Deich,
    Fritz – 237

  2. webmicha sagt:

    Es gibt zu diesem Beitrag zwar Kommentare, doch die wurden von den jeweiligen Verfassern leider nicht aktiviert. Daher werden diese nicht angezeigt.

  3. Laird McKai sagt:

    In Franken wurde eine ähnliche Serie in Zusammenarbeit mit der unteren und oberen Naturschutzbehörde und mit Hilfe des GCHQ ins Archiv geschickt. Auch hier waren Brutplätze gefährdet.
    Es gibt Gerüchte dass sich die Owner beider Serien sehr ähneln. Wenn dem so ist dann ist der Naturschutz diesem en völlig egal. Dann bin ich für eine dauerhafte Cachelegesperre.

  1. 13. Januar 2019

    […] um die Cacheserie Paddeln bis zum Umfallen verfolgt, ansonsten sei auf die Berichterstattung  von GeocachingBW und dem Kocherreiter verwiesen. Nun ist die Serie komplett vom HQ archiviert worden, aber dieses […]

  2. 14. Januar 2019

    […] Wie berichtet, wurde die Cacheserie “Paddeln bis zum Umfallen” auf dem Neckar vom Geocaching HQ Admin archiviert. Damit war die Angelegenheit jedoch nicht beendet. […]

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