Live Escape Game: Eben mal die Welt retten

Adventurebox Escape Game

Zu viert haben wir uns für eine spezielle Besucherführung in der neu eröffneten Forschungseinrichtung I. C. U. angemeldet und warten in der Sicherheitsschleuse auf den Einlass, als wir einen durchdringenden Sirenenton vernehmen. Einer der Physiker hat auf der Suche nach einem neuen Supraleiter ein instabiles und hochexplosives Element erschaffen und in Panik die Flucht ergriffen. Ausgerechnet jetzt öffnet sich die Tür zum Labor. Die Beleuchtung ist ausgefallen, der nervenzerfetzende Alarm schrillt jetzt lauter. Ein Abzug, darin die gefährlich glühende Materie, zieht unsere Blicke auf sich. Wo sind die Wissenschaftler? Außer uns scheint niemand mehr hier zu sein. Wir sind auf uns allein gestellt, und uns bleiben nur 60 Minuten, um das Element zu stabilisieren und eine verheerende Explosion zu verhindern. Zögernd betreten wir das Labor…

Abenteuer als Spiel

Keine Sorge, wir wollen nur spielen. Wir befinden uns in der Adventurebox in Karlsruhe und haben uns für das Live-Escape Abenteuer „Projekt Vakium“ angemeldet. Live Escape, Exitgame, Escape the Room, es gibt viele Namen für die bereits schon nicht mehr ganz neue Spielidee, die ursprünglich für Computer und Mobilgeräte erdacht wurde und seit einiger Zeit auch von verschiedenen Veranstaltern in unserer Region angeboten wird. Als Geocacher, die gerne auch mal Mysteries lösen, haben wir uns bereits zum wiederholten Male diesen Thrill gegönnt.

Wir werden freundlich begrüßt, füllen unsere Anmeldeunterlagen aus und geben unsere Handtaschen und Wertsachen ab. Wir sollen nichts von draußen mit in unser Abenteuer nehmen. Garantiert alles, was wir brauchen werden, befindet sich innerhalb der Räumlichkeiten, die wir bespielen werden. Eine Mitarbeiterin erklärt uns das Spielprinzip: wir werden gleich eine Aufgabe gestellt bekommen, die wir als Team mit Findigkeit, logischem Denken, Aufmerksamkeit und auch ein wenig Glück mit Hilfe zahlreicher versteckter Gegenstände und Hinweise lösen sollen, und dies möglichst innerhalb einer Stunde. Aber natürlich sind wir nicht ganz allein auf uns gestellt. Mittels einem Walkie-Talkie und über zielführende Durchsagen wird ein Spielleiter, der unser Tun genau beobachten wird, uns gegebenenfalls mit Tipps versorgen. Ebenso dürfen wir jederzeit Fragen stellen.

Die junge Frau führt uns in einen abgedunkelten Raum, übergibt uns ein Köfferchen mit den ersten Utensilien, die wir gleich benötigen werden und startet das spannende Einführungsvideo. Wir tauchen ein in unser Abenteuer…

Im Labor

Wir sollen also dieses Vakium unschädlich machen. Zuerst gilt es, den Alarm abzustellen und das Licht im Labor einzuschalten. Wir tun uns zunächst ein wenig schwer, aber der Tipp des Operators lässt nicht lange auf sich warten und kommt exakt in dem Moment, als ein Teammitglied die zielführende Entdeckung macht. Endlich Stille und Licht! Jetzt erst sehen wir die zahlreichen mit Schlössern gesicherten Schränke und Behälter, Bücher, Ordner, Versuchsprotokolle und Aufzeichnungen der Wissenschaftler sowie allerhand Geräte und Vorrichtungen, die uns im Lauf der kommenden 60 Minuten helfen oder hindern sollen, das Vakium zu stabilisieren.

Da hilft nur eines: Systematisch alles genau ansehen, durchblättern, betasten, untersuchen und die gefundenen Gegenstände und Hinweise richtig kombinieren. Die Rätsel sind vielfältig und nicht zu schwierig, so dass wir uns allmählich der finalen Lösung nähern. Der Raum überrascht uns mit immer neuen Effekten und Herausforderungen, die wir aber gemeinsam meistern, so dass es am Ende heißt „Mission erfüllt“. Das Vakium ist stabilisiert, die Welt ist gerettet, und wir sind glücklich und stolz auf uns.

Am Ende holt uns der Spielleiter zu einer kleinen Nachbesprechung ab, während derer wir noch offene Fragen loswerden und unserer Begeisterung Ausdruck geben können. Wir sind überaus zufrieden und nehmen uns fest vor, gelegentlich auch die anderen Abenteuer zu spielen.

Eines davon, „das fünfte Element„, hat unser Team in derselben bewährten Zusammensetzung im vergangenen Sommer gespielt. Die Beschreibung liest sich aufregend. Dieses Szenario soll ein etwas anderes Escape Game sein, das sich nicht auf nur einen Raum beschränkt. Die Adventurebox verspricht in ihrer Ankündigung jede Menge echtes Abenteuer-Feeling, und in der Beschreibung der Missionen ist sogar von Geschick, Kraft und Ausdauer die man mitbringen sollte die Rede. Unsere Abenteuerlust war geweckt.

Das fünfte Element

Nach der Einweisung und dem Einführungsvideo tauchen wir ein in eine fremde, unterirdische Welt. Hier gilt es, in ein System von geheimnisvollen Grabkammern einzudringen und einen Gegenstand von unglaublicher Macht, das besagte fünfte Element, aufzufinden. Wir betreten einen phantastisch dekorierten Raum, der als Drehort für einen Indiana Jones Film gedient haben könnte und beginnen, ihn zu untersuchen.

Hier beschränkt sich die Bühne, auf der wir agieren, nicht nur auf einen einzelnen Raum, sondern es geht durch mehrere Kammern und Etagen, teils über Leitern und Rutschen, hinauf und hinab. (Für körperlich beeinträchtigte Mitspieler steht jedoch immer ein sicherer, bequemer Weg zur Verfügung.) Wir müssen nicht nur Puzzleteile zusammensetzen oder geheime Türen öffnen, einem Kryptex sein Geheimnis entlocken oder den Ausgang aus einem Labyrinth finden, sondern es gilt auch, in Kooperation mit den Teammitgliedern – und nur so geht’s – einige Geschicklichkeitsübungen so zu absolvieren, dass ein Mechanismus den weiteren Weg freigibt oder das nächste Aha-Erlebnis stattfindet. Einmal müssen wir um Rat fragen, mehrmals versorgt uns der Spielleiter, der uns mit Hilfe von Kameras und Mikrofonen überwacht, mit nützlichen Tipps, und so stehen wir endlich vor der finalen Aufgabe. Beim ersten gemeinsamen Besuch eines Exitrooms hatten wir die Zeit überschritten, doch heute erfüllen wir unsere Mission in der vorgegebenen Zeit und entdecken das geheimnisvolle 5. Element. Eine Fanfare ertönt, eine Durchsage erklärt das Abenteuer für bestanden, wir jubeln und freuen uns. Das ist ganz großes Kino.

Noch mehr Abenteuer

Neben den wörtlich zu nehmenden „Escape the Room“-Abenteuern werden auch Outdoor-Missionen angeboten, die für größere Gruppen geeignet sind und laut Veranstalter gerne für Geburtstagsfeiern, Junggesellenabschiede oder Firmen zum Zwecke des „Teambuilding“ gebucht werden und bei denen man deutlich länger unterwegs ist. Ausgerüstet mit GPS-fähigen Tablet-PCs geht es kreuz und quer durch die Stadt oder ins Grüne. Die Beschreibung erinnert ein wenig an Multi-Caches, und ich stelle mir vor, dass dabei auch die altbekannte Muggel-Problematik eine entscheidende Rolle spielen und eventuell sogar den Ausschlag geben kann, ob ein Team seine Aufgabe bewältigt oder nicht.

Die Adventurebox verspricht größeren Gruppen abwechslungsreiche City Missionen auf iPads, bei denen die Teilnehmenden beispielsweise während einer interaktiven Verbrechersuche in der Rolle von Kriminologen wilde Verfolgungsjagden, gewagte Lösegeldübergaben und jede Menge Gripsgymnastik erwarten.

Die Preise für die Indoor-Abenteuer variieren je nach Gruppengröße und Abenteuer zwischen 65 und 99 Euro, die Outdoorabenteuer dauern länger und kosten dementsprechend mehr. Die Verbrecherjagd kostet, um ein Beispiel zu nennen, 39 Euro pro Person.

Fazit

Live Escape macht Spaß und Laune, hat allerdings seinen Preis. Für die einstündige Mission bezahlt man je nach Teamgröße ab 16,50 € aufwärts. Wer sich darauf einlässt, sollte nicht unter Klaustrophobie leiden und, ganz, ganz wichtig: Es ist ein Spiel! Man sollte die Sache nicht zu ernst nehmen, damit es, sollte die Gruppe ihre Mission nicht erfüllen, keinen Streit, Schuldzuweisungen und Vorwürfe gibt.

Die Geschäftsidee ist im Aufschwung begriffen, und es ist vor allem in größeren Städten damit zu rechnen, dass es in naher Zukunft weitere Anbieter geben wird. Wir hatten Glück: beide Missionen waren aufwändig, stimmig und liebevoll gestaltet, und wir fühlten uns professionell dabei begleitet. Schon jetzt freuen wir uns auf das nächste Mal, wenn wir gemeinsam mit einer neuen Mission einen unbekannten Raum betreten und es heißt: „Die Zeit läuft.“


Transparenzhinweis: 
Die Autorin hat aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten die beschriebenen Escape Games gemacht. Weder die Autorin noch GeocachingBW erhalten eine Gegenleistung für diesen Artikel.


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