Stellungnahme der Ba-Wü-Reviewer

In letzter Zeit werden auch bei uns im Badischen vermehrt Stimmen laut, die den Reviewern Willkür bei der Freischaltung von Caches vorwerfen. Nachdem erst kürzlich eine Diskussion auf Facebook eher fruchtlos verlaufen ist, habe ich die Reviewer in Baden-Württemberg mit den Vorwürfen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Diese habe ich heute bekommen, mit der Erlaubnis diese hier im Blog zu veröffentlichen.

Die Stellungnahme im nachfolgendenTextblock stammt also nicht von mir, sondern wurde mir von Miss Undercover im Namen der für Ba-Wü zuständigen Reviewer übermittelt.

 

Warum fragen Reviewer bei manchen Caches nach einer Erlaubnis durch den Eigentümer oder Verwalter?

Auf administrativer und Behördenebene wird das Geocaching durchaus sehr kritisch beobachtet und hat in NRW und RP z.B. zu einigen lokalen Cacheverboten geführt. In BaWü gibt es u.a. das Arbeitspapier der BaWü-Forstverwaltung aus dem Jahr 2011 (PDF). Fakt ist, dass in Deutschland in den letzten Jahren das Geocaching immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat und es auch auf Grund von vielleicht etwas übertriebenen Bedosungen mit manchmal extremen Charakter zu regionalen und lokalen Verboten des Auslegens von Caches gekommen ist (Beispiele: Eltville, Köln, Geocaching-Forever).

Aus diesen Gründen fragen wir in BaWü bei Cache-Typen, bei denen es in der Vergangenheit verstärkt zu Problemen gekommen ist (z.B NC, LP, T5, Powertrails), nach ob der Eigentümer, Verwalter oder die Gemeinde des Gebiets, in dem der Cache ausgelegt wurde, gefragt wurde (was ja eigentlich sowieso eine Selbstverständlichkeit sein sollte, da bei jedem Einreichen eines Listings versichert werden muss, dass der Eigentümer sein Einverständnis erklärt hat). Das einzige, was wir dabei verlangen, ist ein Name und eine Kontaktmöglichkeit. Es geht hier also nicht um schriftliche Genehmigungen. Es geht auch nicht um das Betretungsrecht. Wir möchten lediglich, dass die entsprechenden Institutionen und/oder Personen darüber informiert und damit einverstanden sind, dass auf ihrem Gelände oder ihren Bäumen ein Cache ausliegt. Speziell bei den NCs und den T5-Baumklettercaches haben wir auch von Förstern und Institutionen die Rückmeldung erhalten, dass so eine Information gewünscht wird, um einfach zu wissen was im eigenen Revier so vor sich geht und um Gefahren z.B. in Jagdzeiten für alle Beteiligten minimieren zu können. Dieses Vorgehen ist auch z.B. http://www.gc-reviewer.de/kategorie/guidelines-hinweis/ dokumentiert und natürlich innerhalb der Länder-Reviewergruppen untereinander und mit Groundspeak abgesprochen.

Dies macht das Auslegen von Caches natürlich etwas beschwerlicher und mag auch manchmal zu Ablehnungen führen. Wenn wir uns aber langfristig dieses schöne Hobby erhalten wollen, dann sollte man diese “Zusatzarbeit” auch auf sich nehmen. Kommunikation mit der Gesellschaft, in der wir leben, gehört eben auch zu unserem Hobby dazu.

Grundsätzlich steht es jedem bei geocaching.com registrierten Geocacher frei sich direkt an Groundspeak zu wenden, wenn man mit einer Entscheidung der Reviewer nicht einverstanden ist.

Bitte beachtet auch den Kommentar: Reviewer-Willkür in Ba-Wü.

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4 Antworten

  1. TC sagt:

    Bisher hatte ich immer sehr gute Erfahrungen mit allen BW Reviewern was meine Caches angeht. Dasselbe kann ich auch über die Bayern sagen.
    Die “Willkür” kann ich nicht nachvollziehen, allerdings frage ich mich, was hier bei Cacheserien/Powertrails kontrolliert wird.
    Erst letztens habe ich einen Reviewer darauf hingewiesen, dass eine ganze Serie teils direkt an und praktisch auf der Bundesstraße ausgelegt wurde, teilweise zwischen Straße und Schienen, die keine 10 Meter auseinander liegen und wo es keine Parkmöglichkeit gibt. Natürlich muss man so Dosen nicht machen (wie auch ohne den Verkehr zu blockieren?), aber die Dosen werden reihenweise geloggt und ich wette 50 Euro, dass die Stadt bzw. das Land davon nichts weiß und zumindest bei der Hälfte der Dosen allein wegen der Sicherheit was dagegen haben muss. Der Reviewer meinte, da seien ihm die Hände gebunden, da Groundspeak das erlaube. Das ist schade, denn da sollte man meiner Meinung eher einen Kontakt fordern und nachfragen als bei einem Baum im Wald.
    Aber so ist das Geocaching halt geworden. Unzählige Cacher bleiben auf der Bundesstraße stehen um an der Leitplanke zu loggen, keiner schreibt ein kritisches Wort in die Logs und – toi toi toi – es ist noch nichts passiert. Und denselben Cachern hier ist neulich eine größere Dose “geklaut” worden, meiner Meinung nach halt ohne Erlaubnis in fremde Bäume gehängt… Und es hagelt Notes mit Kraftausdrücken, welcher Arsch das gemacht hat.
    Und gestern mal 20km mit dem Auto gefahren, 4 Caches gemacht und 3 Schleifchen liegen lassen. Keine Ahnung was hier im Ort falsch läuft…

  2. Team Isengart sagt:

    Es entspricht offenbar der deutschen Natur, auf die behaupteten “Spannungen” im Verhältnis zu Förstern und Forstbehörden mit einem Übermaß an Formalismus zu reagieren. Vieleicht wäre es sinnvoller, auch diejenigen Caches zu untersagen, die dazu auffordern, Petlinge an Wurzelstümpfen aufzusammeln, welche wiederum weitab von Wegen im Unterholz liegen und zur Beunruhigung des Wilds beitragen. Das sehen die Förster bestimmt ebenso ungern wie die Straßenverkehrsbehörden hundertfache Beschädigungen der Plastikabdeckungen auf ihren Verkehrsschildern, unter denen magnetische Micros versteckt liegen. Oder vielleicht sollte man Multis verbieten, die dazu auffordern, vor Gasthöfen in einem Radius von 25 Metern nach QR-Codes zu suchen, was eine polizeiliche Fahndung nach den die komplette Umgebung absuchenden und sich dabei “verdächtig” benehmenden Geocachern und ihrem Cachemobil zur Folge haben könnte. Vielleicht sollten auch Caches an Brücken künfig noch argwöhnischer beäugt werden, da es sich hier immerhin um öffentliche Bauwerke handelt, bei denen auch das Beklettern ohne Material regelmäßig zu Lackabplatzungen, Kabelabrissen etc. führen kann. Besonders kritisch müsste eigentlich jeder Reviewer reagieren, wenn von “May require wading” und “Torchlights required” in den Attributen eines Listings die Rede ist, da hier regelmäßig Caches in städtischen Röhren- und Kanalisationssystemen betroffen sind, die in der Vergangenheit im schönen Baden-Württemberg schon zum Hinzuziehen von Bombenentschärfungskommandos und kostenträchtigen Polizeieinsätzen geführt haben.
    Was demgegenüber aber am Baumklettern gefährlich oder besonders schädigend sein soll, das wissen wohl nur die weisen Reviewer in Baden Württemberg. Davon abgesehen, dass das Landeswaldgesetz das Besteigen der Bäume entgegen anderslautendem Aberglauben gerade nicht untersagt, sind es wohl allenfalls einzelne “Scharmützel” mit Förstern, die hier zu einem nicht nachvollziehbaren “Umdenken” nach tausenden längst veröffentlichter Geocaches, die in deutschen Bäumen und den Bäumen im schönen BW hängen, geführt haben mag. “Scharmützel” dieser Art hat aber jeder Geocacher sicher schon des öfteren erlebt, ohne dabei gerade im Baum gehangen zu haben. Geocacher und Förster kommen sich sicherlich “in Einzelfällen” in die Quere. Die meisten Waidmänner sind dagegen aber kooperativ und durchaus verständnisvoll. Es erstaunt, dass man jetzt bestimmte Cachearten herausnimmt, sie willkürlich als potenziellen “Zankapfel” deklariert und meint, auf diese Weise Konfrontationen vermeiden zu können. Wo bleibt da im übrigen die Konsequenz? Wenn es wirklich darum ginge, im Einklang mit den Forstbehörden nur noch diejenigen Caches zuzulassen, die “gewünscht” sind, so wundert es mich, dass nicht die 500 bestehenden Baumcaches in Baden-Württemberg hinterfragt und/oder archiviert werden. Warum hier eine “Grandfathered Protection” gewähren, die nach Reviewer-Auffassung doch zwangsläufig zu Konfrontationen mit Behörden führen müsste? So wichtig sind Caches etwas älteren Datums sicherlich nicht, als dass man eine Kollision mit den hier angeblich maßgeblichen drei Jahre alten Arbeitspapieren der Forstverwaltung Baden Württemberg riskieren sollte? Es sind und bleiben Tupperdosen!
    Ach, übrigens stehen Behörden dem Geocaching weit weniger kritisch gegenüber als dies von Reviewerseite aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen propagiert wird. Ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs, bei dem es übrigens um den Einstieg in eine typische städtische Tunnelröhre ging (die allerdings nach wie vor einen “Freifahrtsschein” genießt), wurde von staatsanwaltschaftlicher Seite mit der Begründung eingestellt, dass eine gesetzliche Grundlage für die Ahndung des Einstiegs fehle und es sich – so wörtlich – “beim Geocaching um eine allgemein wünschenswerte Freizeitbeschäftigung handle”.
    Natürlich gibt es “vereinzelte” Fälle, in denen Gemeinden Geocaching-Verbote ausgesprochen haben.
    Diese “Einzelfälle” hat die werte Reviewerin hier ja aufgeführt. Davon abgesehen, dass ich nicht erkennen kann, was Eltville und Köln mit Baden Württemberg zu tun haben, ist “Geocaching Forever” sicherlich das schlechteste Beispiel für ein Geocaching-Verbot, da der Tourismusverband und der Schwarzwaldverein dem Projekt bis zuletzt positiv gegenüberstanden und auch die Gemeinde Altensteig nach dem von einzelnen Jägern erzwungenen Abbau der Runde nach Stornierung etlicher Hotelbuchungen einsehen musste, einen Fehler gemacht zu haben, der dazu führte, dass – diesmal kostenpflichtig – sogar neue Caching-Runden in Auftrag gegeben worden sein sollen: Ein Schildbürgerstreich!
    Reviewer sind sicherlich nicht dumm. Sie wissen ebenso wie die hohen Herren bei Groundspeak, dass 99,5 Prozent aller Geocaches ohne Anzeige bei den Gemeinden als öffentlichen Eigentümern gelegt sind. Das Setzen eines Kreuzchens im Rahmen des einzureichenden Listings beseitigt diese Bösgläubigkeit weder bei Groundspeak noch den zuständigen Reviewern. Letztlich stellt sich das scheinheilige Nachfragen gerade bei Baumcaches als gezieltes Vorgehen gegen bestimmte Cachearten durch eine kleine Minderheit dar, die von Seattle mit “Macht” beliehen worden sind und die hier betroffenen Cachearten auch selbst nicht unbedingt präferieren. Diese Ausweitung der Reviewerbefugnisse, die unter Berufung auf ein tatsächlich nicht vorhandenes überlegenes Behörden- und/oder Rechtswissen gestützt wird, ist in Deutschland geradezu einzigartig.
    Wie es einer dieser werten Herren allerdings rechtfertigen kann, seinen Tradi immer noch in einem schützenswerten Höhlengeotop “Unterm Wald” zu belassen, kann ich da allerdings beim besten Willen nicht nachvollziehen. Bedenklich!
    Ach ja, dass die berühmte “Stonerose” bei Zuständigkeit deutscher Reviewer längst archiviert wäre, liegt wohl klar auf der Hand. Französische Kollegen haben hier deutlich weiser (und weniger panisch!) gehandelt und dieses Juwel bewahrt statt es unter Formalismus und Verwaltungsleitlinien zu begraben. Mal abwarten, wieviele Caches und Cacher die Plattform “geocaching.com” noch verlassen müssen, bis man sogar in Seattle erkennt, dass man in Deutschland und dem schönen Baden-Württemberg im besonderen den “Bock zum Gärtner” gemacht hat.

  3. Auch wenn ich persönlich bisher (weitestgehend) gute Erfahrungen mit Reviewern gemacht habe, so ist es wohl nicht von der Hand zu weisen und in zahlreichen Logs, Blogs und Foren nachzulesen, dass es im Reviewing-Prozess einige Ungereimtheiten gibt, die dann auch als “Willkür” interpretiert werden dürfen.
    Klar, wo Menschen arbeiten, entstehen auch Fehler. Das ist menschlich und wäre auch zu tolerieren, wenn die Gegenseite dies auch mal zugäbe. Aber mir ist wiederum kein Fall bekannt, wo ein Reviewer einen Fehler eingeräumt oder sich gar dafür entschuldigt hätte. Das macht sie neben ihren unpersönlichen Feedbacks zu Caches noch weniger “menschlich”.
    Doch sie handeln eben auch nicht alle robotergleich, sondern dennoch individuell. Wo der eine Reviewer beim in den Boden gedrückten Petling die Augen zudrückt, ist dies beim nächsten schon wieder ein Archivierungsgrund.
    Hinzu kommen deutsche Regelauslegungen, die oft übers Ziel hinaus schießen: aus der Variante “Caches sollten nicht an Bahnlinien liegen” wird dann “Caches dürfen nicht an Bahnlinien liegen”, so dass man selbst beim stillgelegten Abstellgleis mit Engelszungen auf die Reviewer einreden muss, damit der Cache dann doch freigeschaltet wird.
    Wer oder was sind aber die tatsächlichen Probleme für Stadt und Land? Sind es wirklich die paar Klettercaches oder nicht eher die 250 Dosen eines Powertrails?
    Doch wenn man sich die tatsächlichen Besucherzahlen eines Waldes anschaut, so sind die Geocacher noch immer die verschwindene Minderheit. Beispiel Mainzer Lennebergwald (RLP): pro Jahr 1 Mio. Besucher, und auf der anderen Seite ein Dutzend Dosen, von denen selbst die Drive-In-Dosen (an der Zufahrtsstraße) keine 200 Funde pro Jahr verzeichneten. Aber als der Förster meckerte, hat Groundspeak gleich den Schwanz eingekniffen und alle Dosen ins Archiv geschickt – obwohl die meisten durchaus Guideline-konform waren.
    Und was hilft einem die Schiedsstelle in Seattle, wo ebenso nach Gutdünken gehandelt wird? Sorry, Reviewerentscheidungen sind – gerade wenn es denn mal Komplikationen geben sollte – so intransparent und wenig verständlich wie nur was. Da wird selten mit Herz und Verstand entschieden, sondern der Weg des kleinsten Widerstands gewählt. Und genau das stößt (nicht nur in BaWü) auf.

  1. 17. Juli 2014

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