Geocaching mit dem Gesetzbuch?

Dieser Beitrag ist ein persönlicher Kommentar von mir.

Gestern wurde ein Cache veröffentlicht, bei dem es um einen Lost Place aus dem dritten Reich geht. Davon gibt es ja viele, Teile unserer Vergangenheit sind nun mal unrühmlich. Nichts desto trotz erscheint es mir völlig ungebracht hier gleich mit Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch zu winken.

Nachtrag: der Cache-Link oben verweist auf einen Screenshot des Listings (PDF), den ich gemacht habe bevor dieser Artikel veröffentlicht wurde. Hier noch der Link zum Listing.

Illegale Symbolik

Der Owner rechtfertigt mit Verweis auf das StGB die Verwendung von Symbolen des Reichsarbeitsdienstes im Listing. Er beteuert dabei keine Propagandazwecke zu verfolgen. Allerdings hätte es auch gereicht das RAD-Gruppenabzeichen, anstatt es als Hintergrundkackel zu verwenden, einmal ins Listing einzubinden wo es dann auch erklärt wird.

Desweiteren ziert ein Bild das Listing bei dem in einer Ecke nochmals das Abzeichen integriert ist, in der anderen Ecke das Symbol des Tannenbruchs welches für den RAD Arbeitsgau Baden verwendet wurde.

Ich weiß nicht, ob sich der Owner vor dem Einreichen des Listings juristisch hat beraten lassen, es wirkt jedenfalls alles sehr befremdlich.

Davon unabhängig, ist es zum Einen durchaus interessant den geschichtlichen Hintergrund  zu verarbeiten, andererseits darf die Frage erlaubt sein, ob man dafür unbedingt auch die Symbolik braucht.

Aber das ist noch nicht alles was mich an diesem Listing stört.

Verstand vs. Cacheplatzierung

Weiterhin wird darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Cache an einer sensiblen Stelle befindet, denn in der Nähe ist eine Wildfütterungsstelle. Auch scheint es verlockend zu sein, mit dem Auto bis nahe an den Cache heranfahren zu können, was natürlich verboten ist. Das weiß jeder, auch ohne den entsprechenden Paragraphen aus dem Landeswaldgesetz im Wortlaut zu kennen.

Wenn ich mir das alles so betrachte, dann komme ich zu der Ansicht, dass es besser wäre keinen Cache an dieser Stelle zu haben. Der Owner droht auch im Listing schon damit den Cache abzubauen, sollten Klagen über Cacher kommen die sich nicht an die Regeln halten.

Ich behaupte mal, dass es nicht lange dauern wird bis sich der Owner selbst beim Wort nehmen muss. Denn es ist völlig klar, dass sich unter diesen Vorraussetzungen die Unvernunft mancher Cacher durchsetzen wird.

Vielleicht wäre es besser gewesen an Stelle eines Tradis einen kleinen Multi oder Mystery auszulegen. Damit hätte man das Thema auch gut aufgreifen und die Dose etwas abseits verstecken können, wo es weniger sensibel ist.

Fader Beigeschmack

Auch das Listing könnte neutraler sein, Erklärungen in Textform mit Verweisen zu entsprechenden Quellen hätten denselben Gehalt. Damit wäre man ebenfalls jeglicher strafrechtlichen Relevanz aus dem Weg gegangen.

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Bei mir hinterlässt diese Cachebeschreibung in der Form einen zwiespältigen Eindruck. Nicht weil ich mich nicht mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen wollte, sondern wegen der Art und Weise wie dies gemacht wird.

Auch „der Zeigefinger“ in Bezug auf mögliche Verstöße gegen das LWaldG stößt mir auf. Wenn doch im Vorfeld über all dies nachgedacht wird, warum dann trotzdem einen Cache genau da auslegen?

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9 Antworten

  1. Navisale sagt:

    Darüber hinaus ist es fraglich, ob jeder der diesen Cache angehen möchte, auch wirklich den gesamten Text des Listings liest. Selbst bei Listings mit weniger Text, wird doch von vielen nicht alles gelesen, da der Punkt für jenen Fund wichtiger ist, als das was in der Beschreibung steht.

  2. Owner sagt:

    Als Owner muss ich hier natürlich antworten. Gerne darf jeder seine Meinung preisgeben, daran kann auch keiner rütteln, aber ich finde es erschreckend, dass hier im Forum entsprechend abwertende Kritik über ein „gemeinsames Hobby“ erfolgt. Gegentgeilig hätte ich mir als Owner einer komplex ausgearbeiteten Geschichtsrunde mit mehreren Caches vorgestellt, diese vielleicht hier vorstellen zu können…

    –> warum dann trotzdem einen Cache genau da auslegen?
    Um Interessenten entsprechende historische Stätten aufzuzeigen. Weil es in dieser Region ansonsten keine sehenswerten historischen Stätten mehr gibt.
    Aber erfahrungsgemäß liegt vielen Geocachern ja nicht wirklich viel an den Grundsätzen von Groundspeak: „Denke darüber nach, warum Du Leute an einen Ort führst, wenn Du einen Geocache versteckst. Wenn der Geocache der einzige Grund ist, finde einen besseren Ort“. In diesem Fall liegt kein Interesse meinerseits vor, den Cachern „möglichst viele Funde“ zu verschaffen, sonst wäre der Cache für alle freigeschalten. Vielmehr ist Dieser Cache Teil einer in Arbeit befindlichen lokalen „Geschichtlichen Runde“, allesamt an Plätzen von ortsgeschichtlicher Bedeutung ausgelegt. Die entsprechende historische Beschreibung findet man – fundiert recherchiert – im jeweiligen Listing.

    Der Cache ist nur für Premiummitglieder, von denen eigentlich zu erwarten ist, dass sie nicht nur FTF-Hunter sind, sondern sich auch etwas mit der Thematik befassen – und vor allem „professionell und behutsam“ vorgehen und auch Interesse an den Orten der Cacheplatzierung zeigen.
    Da es hier und da dennoch einige „Blindgänger“ gibt, die OHNE der Beachtung ausdrücklicher Hinweise von Ownern genauso wenig wie der Beachtung der Groundspeak-Richtlinien oder lokaler Gesetze losziehen, will sich „der Owner“ im Listing mit entsprechenden Angaben weitestgehend absichern.

    –> Verstand vs. Cacheplatzierung:
    Genau der „Verstand“ ist gefragt, diese Angaben beziehen sich auf das Verständnis der Cacher. Bei diesem Cache sogar der Premiumcacher.
    Und weshalb ein Mystery oder Multi? Mit dem vorausgesetzten Verständnis muss das nicht sein.

    –> …mit dem Auto bis nahe an den Cache heranfahren zu können, was natürlich verboten ist. Das weiß jeder…
    Aha, weshalb halten sich dann die wenigsten dran ? Leider musste ich als „Der Owner“ schon bei seinen anderen Caches entsprechend negative Erfahrungen machen, z.B. trotz ausdrücklich angegebenen Verbotes des Befahrens eines bestimmten Feldweges hatte sich dort ein Cacher beim Wenden festgefahren…

    –> Die Symbolik des 3. Reiches gehört unbedingt zur historischen Beschreibung der Stätte (=dem tieferen Sinn des Caches) , und, da deren Verbreitung für alles andere als „Geschichtsdokumentationen“ strafrechtlich verfolgt werden kann, gibt „der Owner“ sein entsprechendes Statement dazu ab. Der Passus mit den §§ aus dem StGB sind eine obligatorische Ausschlusserklärung bei Publikationen derartiger Symbole.

    –> Fader Beigeschmack:
    Wer würde Links öffnen, lesen und deren Informationen entsprechend verwerten? Insbesondere das, auf was vor Ort geachtet werden soll, sollte direkt im Listing stehen, und nicht über irgendwelche Links verknüpft sein. Und die Recherche und Geschichtsdokumentation stammt „vom Owner“ selbst.

    Eure Meinungen könnt Ihr auch gerne persönlich bei mir übers GC-Portal loswerden. Fragen und Anregungen beantworte ich gerne…

    …weiterhin frohes Cachen…
    Alex (aus der fittererfamily)

  3. Sesch sagt:

    Jup, genau dieselben Gedanken hatte ich beim durchlesen des Listings auch. Und ich muss sagen dass mich die ganzen Gesetzestexte etwas abgeschreckt haben! Das liest sich, als ob man sich schon nur beim Suchen des Caches strafbar macht! Ich finde das völlig übertrieben! Zumal ja dieser Tage noch ein zweiter Puplish, mit einem ähnlichem Listing voller Gesetzestexte und Warnungen gegen Verstöße, veröffentlicht wurde.

  4. webmicha sagt:

    Und weshalb ein Mystery oder Multi? Mit dem vorausgesetzten Verständnis muss das nicht sein.

    Bei einem Multi/Mystery kann man als Owner sehr gut steuern wohin Cacher gehen sollen. Auf diese Weise kann man sensible Objekte z. B. als notwendige Wegpunkte integrieren und Dose davon fernhalten.

    Und wenn der Cacher vorher nicht weiß wo die Dose liegt, dann fährt er auch nicht mit dem Auto in den Wald. Ganz einfach :).

  5. CMK84 sagt:

    Ich denke auch, dass durch einen Multi oder Mystery die Thematik besser und eingängiger übermittelt werden kann. Weil wenn wir ehrlich sind… wer liest schon wirklich ein langes Listing durch bei einem Tradi?
    Mit einem Mystery oder Multi kann man die anderen Cacher dazu bringen zB. eingefügte Links zu öffnen um Fragen eines Mysterys zu lösen (womit auch dieses Problem behoben wäre) oder ähnliches.
    Ich kenne jetzt ehrlich gesagt weder den Cache selbst um den es hier geht, noch kenne ich den Owner, aber mich persönlich würde ein Mystery zu dem Thema mehr begeistern als ein Tradi 😉

    „Der Cache ist nur für Premiummitglieder, von denen eigentlich zu erwarten ist, dass sie nicht nur FTF-Hunter sind, sondern sich auch etwas mit der Thematik befassen “
    Hier mal ein kleiner Hinweis dazu…. Soweit ich weiß, kann man als „normaler“ Cacher nur selten einen FTF machen, da man keine eMail bei Veröffentlichung bekommt. Das ist ja eines der Privilegien wenn man Member ist. Daher ist dieser Satz doch eigentlich mehr oder weniger unsinnig, oder? 😉

  6. webmicha sagt:

    Aber erfahrungsgemäß liegt vielen Geocachern ja nicht wirklich viel an den Grundsätzen von Groundspeak: “Denke darüber nach, warum Du Leute an einen Ort führst, wenn Du einen Geocache versteckst. Wenn der Geocache der einzige Grund ist, finde einen besseren Ort”.

    In den Richtlinien steht auch:

    Geocaches werden so gelegt, daß Pflanzen und Tiere vor absichtlich und unabsichtlich zugefügten Schäden geschützt sind. In manchen Regionen kann es notwendig sein, Geocaching-Aktivitäten für Teile des Jahres ruhen zu lassen, um sensible Bereiche zu schützen.

  7. Owner sagt:

    Wenn sich Cacher entsprechend verhalten, wird weder Pflanzen noch Tieren absichtlich oder unabsichtlich Schaden zugefügt (und es würden auch nicht wie bei so vielen Caches im Gelände Cacherautobahnen entstehen).
    Man sollte Entsprechendes erwarten von den Ausführenden einer Freizeitbeschäftigung, die von weiten Teilen der Bevölkerung noch wegen Unwissenheit kritisch betrachtet wird. Und nochmals: gerade deswegen die präzise Beschreibung im Listing. Aber als Premiummitglied muss man Listings ja nicht lesen, man weiss ja schon alles !

    Und es sollte meiner Meinung nach in einem solchen Blog hier das nicht alles schwarz gemalt werden, auch solche Aussagen stiften die unwissende Bevölkerung zur Nicht-Anerkennung des Geocaching an – in öffentlicher Weise. Und wenn schon, dann sollten hier mal diejenigen Caches kritisiert werden, zu denen es wirkliche Gründe zu einer Diskussion gibt…

    @ cmk84: letzter Absatz: Du hast den Sinn des Satzes verdreht. Er sagt aus, ein Premiumcacher sollte NICHT NUR unbedingt FTF’s nachgehen, sondern er sollte sich doch auch über den Ort des Caches informieren – weshalb liegt ein Cache gerade an einer bestimmten Stelle – was will mir der Owner damit übermitteln. Aber OK, das kann nur jedem selbst überlassen bleiben.

    Und bitte, lieber Moderator, nicht wieder irgendwelche weiteren Kritikpunkte suchen, oder Themen miesmachen. Eine persönliche Kontaktaufnahme mit entsprechenden Angaben hätte auch gereicht, dann wäre ja noch eine gemeinsame akzeptable Lösung machbar gewesen.

    • webmicha sagt:

      Hallo Owner, komm doch einfach zum nächsten Stammtisch. Da kannst du dich mit Cachern unterhalten, die das schon ein paar Jährchen machen und dir von der Cacherrealität berichten werden.
      Ich werde auch da sein und stelle mich gerne einer Diskussion.

      Gruß webmicha