Geocoinfest Europe 2014 – attended

Internationale Cacher treffen ein

Nach langen Monaten voller Vorfreude war es so weit: bereits am Donnerstag ging für mich die Fahrt los nach Ulm, weil ich in München einen sehr netten amerikanischen Coiner- und Cacherfreund vom Flughafen abholen wollte. Dies Treffen sollte nur ein kleiner Vorgeschmack auf das folgende Wochenende sein, denn das Schöne an diesen Events ist immer das Treffen der gleichgesinnten Coininteressierten, die man mittlerweile fast weltweit kennen gelernt hat.

In Ulm wurde dann gleich im B&B Hotel eingecheckt, wobei ich hier eine von über 200 übernachtenden Geocachern sein sollte. Ich hoffte schon, dass nicht alle auf einmal zum Frühstück erscheinen würden, denn sonst würden bestimmt die Plätze knapp werden.

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Intensive Vorbereitungen

Die Ulmer Orga hatte schon am letzten Wochenende nochmals fleißig gearbeitet und da ich als Helferin angemeldet war, konnte ich mich im Mailverteiler bereits von der unglaublichen Arbeit überzeugen, die hinter diesem großen Event steckte.

Coins und Eintrittsbändchen waren gerichtet, zusammen mit den verschieden gebuchten Vouchers in Tüten verpackt und warteten nun auf Abholung von nahezu 3000 Eventbesuchern. Logbücher und bayrische Brezel waren in mühevoller Arbeit gebastelt worden, die typischen Ulmer Spatzen nicht zu vergessen. Wie viele Stunden wirklich hinter den Vorbereitungen eines solch großen Events stecken, mag man nur erahnen, wenn man weiß, dass alleine an diesem Wochenende 650 Helferstunden im Einsatz sein würden!

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Cachen und erstes Event

Nach einem tollen Cachenachmittag am Freitag in der schönen Ulmer Altstadt ging es gegen 17 Uhr zum Meet & Greet, bei dem man seine Bestellungen schon abholen konnte. Perfekt war hier alles vorbereitet und schnell konnte sich jeder über seine gepackte Tüte freuen.

In der Reithalle, in der das Event stattfand, erkannte man schon weitem das außergewöhnliche Logbuch: auf etlichen, aneinander gestellten Tischen befand sich auf grünen Tischtüchern eine aus blauem Samt simulierte „Donau“ mit Brücken und der „Ulma Schachtel“, dem traditionellen Holzboot, welches nahezu perfekt nachgebaut war. Zum Loggen konnte jeder seine Fingerfertigkeit beweisen und ein kleines Boot falten, dieses mit seinem Nickname versehen und auf die Wellen setzen.

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Immer mehr Bekannte fanden sich ein und unter großem Hallo wurde begrüßt und die ersten Geocoins getauscht.

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Meet Mark Clemens „Avroair“

Wie schön, dass auch der „Vater der Geocoinfeste“ hier anzutreffen war: Mark Clemens, der in der Coinerwelt unter dem Namen „Avroair“ bekannt ist. Wie hier bereits berichtet wurde, wurde das erste Geocoinfest 2007 aufgrund der Initiative Marks in Temecula California gefeiert. Ich war begeistert, dass ich mich lange mit diesem interessanten und freundlichen Menschen unterhalten konnte und freute mich riesig, als er mir seine personal Coin schenkte, die ich in Ehren halten werde.

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Hier einige Auszüge aus unserem Gespräch:

Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, ein besonderes Event für Geocoins zu initiieren, das Geocoinfest?

Geocoins spielen beim Geocaching eine ganz besondere Rolle. Man muss diese verstehen und auch die Menschen sehen, die dahinter stehen. So dachte ich, dass es doch eine gute Idee sei, die Menschen die Coins tauschen, kaufen und verkaufen, dabei anderen vertrauen, zusammen zu bringen, so dass sie sich auch persönlich kennen lernen können, denn alle haben wir etwas gemeinsam. Ein Geocoinfest ist somit mehr als ein Event mit vielen Caches sondern es ist vor allem ein Event, bei denen man die Menschen im Hintergrund trifft. Ich fühle immer deutlich, dass es ein besonderer Moment ist, eine Coin zu tauschen oder eine Coin zu verschenken, einen Freund zu finden, Freundschaft zu vertiefen. Die Coiner sind eine ganz besondere Community. Bei jedem Geocoinfest finde ich neue Freunde und freue mich, sie beim nächsten mal wieder zu sehen. Hier herrscht ein besonderer Geist, der die Freundschaft, das Vertrauen und die Fairness widerspiegelt.

Hast du bisher jedes GCF sei es in den USA oder Europa selbst besucht?

Ja ich habe jedes Gecoinsfest selbst besucht und bin jetzt das vierte mal in Europa. Ich freue mich, wenn ich mit meiner Familie kommen kann, fliege aber auch alleine.

Bist du bei den Entscheidungen über die Orte der nächsten GFCs immer involviert? Welche Unterstützung bekommst du von Groundspeak, zahlen sie wenigstens deine Flüge?

Ich bin nicht involviert, ich entscheide darüber. In Europa geschieht dies zusammen mit Guido Beckers, in den USA gemeinsam mit einigen anderen. Meine Flüge zahle ich immer selbst und auch den Aufenthalt. Groundspeak unterstützt mit der Anwesenheit von Repräsentanten und den üblichen Hilfen bei Events. Bei den amerikanischen Events kommen auch die speziellen Repräsentanten wie Annie oder Moun10bike, ich weiss nicht, was ihren Besuch in Ulm verhindert hat, obwohl ich drei km von Jon Stanley entfernt wohne.

Worin unterscheiden sich deiner Ansicht nach die GCFs in den USA und Europa? Ich kann mir vorstellen, dass dort alles etwas persönlicher ist, da nicht so viele Besucher kommen?

Die amerikanischen GCFs sind deutlich kleiner, es kommen zwischen 400 und 700 Besucher, in Las Vegas letztes Jahr waren es ca. 1200. Dadurch geht es auch etwas persönlicher zu. Insgesamt sind diese Events deutlich kleiner als die europäischen, insbesondere die deutschen. Wenn man sich die Landkarte ansieht, wird klar, warum das so ist. Die Entfernungen sind einfach so groß, dass die Coiner-Community nicht so einfach zusammen kommen kann. Es sind ungefähr 25 % Hartgesottene, die auch weite Strecken auf sich nehmen können, die anderen Besucher sind lokale Geocacher.

Aus diesem Grund wird es auch fast nicht möglich sein, in den USA ein GIGA – Event zu veranstalten. Das größte Event in den USA war Geowoodstock 2008 mit 4000 Besuchern.

Das Interesse an Geocoins kann schnell in eine richtige Sucht übergehen Welchen Rat gibst du einem angehenden Sammler?

Ich beobachte drei Stadien bei Geocoinern. Das erste Stadium ist gekennzeichnet von „Gib mir…gib mir….gib mir…“, der Sammler möchte alles haben. Im zweiten Stadium möchte er immer noch Coins haben, stellt aber fest, dass er Freunde gefunden hat. Er beginnt zu verstehen, dass man auch mal warten kann, dass man mit anderen sprechen und verhandeln kann. Der Coiner hat auch dann schon mehr Wissen und erkennt Zusammenhänge, er kauft nicht mehr alles. Im dritten Stadium muss der Sammler nicht mehr jedes Metallstück haben sondern hat ein Profil entwickelt, sucht bestimmte Geocoins. Er hat andere Coiner kennen gelernt mit denen er tauscht, manchmal werden Freundschaften daraus. Manche Coiner erreichen nach sechs Monaten das dritte Stadium, manche brauchen dafür zehn Jahre. Mein wichtigster Ratschlag ist: kauft nur Coins, die ihr wirklich mögt und haben wollt. Und wenn die Coin euch wirklich gefällt, dann kauft vielleicht auch zwei oder drei und kommt in Kontakt mit anderen, denn dann seid ihr in der Lage zu tauschen und müsst nicht mehr alles kaufen. So unterscheide ich auch die Coins die ich besitze: geschenkte Coins werden nicht angerührt, die Coins, die ich mir ertauscht habe, gehören zu meiner Sammlung und ich will sie nicht hergeben und die Coins die ich kaufte, werden getauscht.

Gehst du noch cachen und legst auch noch manchmal coins und TBs in die Dosen?

Ich cache seit 2003 und auch jetzt bin ich immer noch dabei, wenn auch nicht mehr so häufig wie am Anfang. Besonders mag ich große Dosen in denen man tauschen kann und dort lege ich auch gerne immer wieder eine Coin ab. Das Cachen ist so ähnlich wie das Coinsammeln: am Anfang sucht man jede Dose und dann spezialisiert man sich. Meine liebsten Geocaches sind auf jeden Fall die Events.

Und nun zum Abschluss: was gefällt dir hier in Ulm besonders gut?

Ulm ist eine wunderschöne historische Stadt, vor allem die Altstadt. Es ist wunderbar, dass so viele Menschen hierher kommen um die schöne Gegend kennen zu lernen, die Organisatoren haben es prima gemacht und ich freue mich, alte Freunde wieder zu sehen und neue zu finden.

Vielen Dank für das Interview Mark!

AVroair personal copper

Geocoinfest im Roxy

Voller Spannung ging es schon früh morgens am Samstag zum Roxy, dem Kulturzentrum in dem das Megaevent statt fand. Sehr stressig war für die Helfer der Aufbau, denn sie konnten nur zwei Stunden vor Einlass die Händlerstände aufbauen, die danach noch von den Coinshops bestückt und dekoriert werden mussten.

Unglaublich, welch Gedränge es dort gab, denn jeder wollte sich natürlich die Sonderedtionen des GCF 2014 sichern.

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Coinausstellung

Ich war ganz froh, dass ich zwischendurch meinen Dienst als Wachposten für die Coinausstellung antreten konnte, denn dort ging es ein bisschen ruhiger zu. Höchst beeindruckt war nicht nur ich von der Privatsammlung des 31-jährigen Christian Bathe, der im Laufe der letzten 2,5 Jahre alle 371 Geocoins des schweizer Designers ernie’s zusammengetragen hat, „projekt ernie’s“ so nannte er sein Vorhaben. Ein bisschen schmunzeln musste ich schon, als Christian mir gestand, dass er nicht mehr richtig schlafen könne, seit seine „Babies“ außer Haus seien. Einige Gebote hat er schon für diese außergewöhnliche Sammlung, das höchste liegt bei ca. 30000 $, welches den Besitzer jedoch nicht in Versuchung führt. Schade nur, dass hier nicht mehr Coins zu bestaunen gab, denn schöne Sammlungen gibt es bestimmt mehr die man hätte zeigen können.

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Tauschen und Cachen

Während sich die Coiner im „Labor“ an Tischen trafen und ihre Schätze bewunderten und tauschten, machten sich andere Eventbesucher daran, die schöne Stadt Ulm zu erkunden. Tolle Führungen hatte man buchen können um Fort und Festung kennen zu lernen. Auch wenn die aufwändigsten Caches an diesem Wochenende disabled waren, gab es genug interessante Dosen zum aufstöbern.

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Meet the Lackeys

Leider war der Besuch von Bryan Roth und Annie Love vor einer Woche abgesagt worden, was ich wirklich bedauerlich fand! Aber ich sollte an stattdessen die Lackeys Ben und Jayme treffen, um sie , wie verabredet, ein wenig zu befragen:

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Seit wann seid ihr bei Groundspeak tätig und welches ist euer Aufgabengebiet?

Wir sind beide seit 2013 bei Groundspeak und wurden dort u.a. angestellt, weil wir seit fünf Jahren intensive Geocacher sind, also das Geocaching nicht nur von Entwicklerseite her sehen sondern wissen, um was es geht. Wir sind zuständig für die neue Entwicklungen auf der GC-Website und der Apps.

Warum seid gerade ihr für Ulm entsendet worden? Habt ihr eine besondere Aufgabe, wenn ihr die Megas besucht?

Ulm ist unser erstes internationales Event und dass wir hierher geschickt wurden, hat auch mit unserem Aufgabengebiet zu tun: wir haben nämlich am neuen GeoGuide-Programm teilgenommen. Groundspeak möchte, dass künftig die Lackeys mehr Kontakt zur Community haben, um besser auf die Wünsche eingehen zu können. Wir sind momentan die GeoGuides auf der höchsten Stufe und dürfen seit heute das schwarze T-Shirt tragen. Die Stufe kann man an der Farbe der Shirts erkennen: braun wie die Erde, grün wie das Gras, blau wie der Himmel und schwarz wie der Weltraum.

Mithilfe unserer mitgebrachten Karten möchten wir hier mit Kleingruppen die Ideen und Bedürfnisse der Cacher verstehen, um das System zu optimieren.

Sammelt ihr selbst auch GEocoins? Und wenn wie viel habt ihr denn?

Ja wir haben auch einige Geocoins, insbesondere sammlen wir die Coins von Events, die wir besucht haben. Wir haben ungefähr 100 Coins.

Anregung von der Basis

Wie gut, dass Wuselmann hier hinzu kam und den beiden nette Lackeys gleich ein paar praktische Vorschläge unterbreiten konnte. Interessiert hörten sie sich die Wünsche an, wie z.B. das Anzeigen von Favoritenpunkten in den GPX-Dateien oder das Erkennen von Entfernungen nicht nur in Publish-Mails. Jayme und Ben versprachen, die Ideen nach Seattle zu tragen. Wir sind gespannt, ob das Gespräch Auswirkungen zeigen wird und lachten bei der Vorstellung, dass wir an uns denken würden wenn die Änderungswünsche wirklich realisiert werden würden. Ich wünschte beiden viel Erfolg und Spaß bei ihrem Auftrag.

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Geocoinfest Europe 2015 in den Niederlanden

Schnell trugen wir uns noch in das wieder kreativ gefertigte Logbuch ein: passend zu Ulm waren hier riesige, liebevoll bemalte Holzspatzen fertigt worden, auf denen man signieren konnte. Dann eilte ich zurück in die Halle und bekam gerade noch mit, wie Guido Beckers und Mark Clemens verkündeten, dass das Geocoinfest Europe 2015 in Eindhoven, Niederlande statt finden wird. Genau auf dieses Land hatte ich getippt und freute mich.

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Dosenfischerkonzert

Der Abend sollte mit einem für Ulm traditionellen Konzert der Dosenfischer ausklingen. Wie immer sangen die Fans vor der Bühne begeistert mit, die Stimmung im Saal war auf dem Höhepunkt, alles tobte. Jayme und Ben, die ich hier wieder traf, hatten leuchtende Augen, denn eine solche Begeisterung der Comunity hätten sie noch nie gesehen, gestanden sie mir.

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GEOktoberfest

Eine krönenden Abschluss fand das Wochenende im GEOktoberfest. Passend zur Jahreszeit drehte sich hier alles um die Weißwurst mit Brezel. Leider konnten wir daran nicht mehr teilnehmen, was wir aufgrund der begeisterten Berichte bereuten.

Spitzenorganisation

Ein grandioses Wochenende ging zu Ende. Ich bin immer noch berauscht von den den Eindrücken der schönen Stadt, den interessanten Gesprächen, der bezaubernden Geocoins und den lieben Freunden, die ich hier wieder traf und neu fand.

Und einmal wieder hat eine Gruppe von Geocachern ein geniales Event organisiert, bei dem sich alle einig sind, wie man den Logs und Kommentaren entnehmen kann: liebe Ulmer, ihr wart wirklich SPITZE! Vielen Dank für eure große Mühe, eure tollen Ideen, die vielen Stunden Arbeit – ich werde das Geocoinfest Europe 2014 in Ulm bestimmt so schnell nicht vergessen!

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3 Antworten

  1. Saarfuchs sagt:

    Schöne und vor allem umfassende Darstellung dieses Mega-Wochenendes. Ich hatte ja nur Gelegenheit am Samstag teilzunehmen. Euer Artikel hat mir noch einige Dinge aufgezeigt, die ich so nicht wahrgenommen hatte.

    Trotzdem scheine ich mittlerweile Mega-müde zu werden. Das Geocoinfest in Ulm hat gegenüber den anderen diesjährigen Megas nichts Neues gebracht.

    Auch ich habe meine Einschätzung und Erlebnisse im Blog in einem Artikel über das verarbeitet…

    Viele Grüße aus dem Saarland,
    Jörg

  2. Wuselelfe sagt:

    Dein Bericht hat mir auch gut gefallen Jörg! Nur schade, dass wir uns im „Labor“ verpasst haben, sonst hätte wir mal eine „Wuselelfe“ gegen einen „Saarfuchs“ tauschen können ;-).

    Viele Grüße

    Ursula

  1. 8. Oktober 2014

    […] Einen ausführlichen Bericht vom Geocoinfest in Ulm findet hier auch auf dem Blog von Geocaching Baden. […]