Kommentar zum Geocaching Lehrpfad

Am vergangenen Sonntag wurde in Paderborn im Rahmen eines Geocaching Waldaktionstages der vermutlich erste Geocaching Lehrpfad Deutschlands eröffnet. Dieser wurde vom Verein Geocaching Paderborber Land gemeinsam mit der Stadt Paderborn konzipiert und entwickelt. Zum Waldaktionstag wurde außerdem ein dazu passender Flyer produziert.

Erste Eindrücke zum Waldaktionstag hat Hide*seek schon beschrieben und weitere Berichte sollen auf der Homepage der Paderborner Geocacher erscheinen.

Hintergrund

Vor einem Jahr drohte in Paderborn ein generelles Geocaching-Verbot und diese Situation führte zur Gründung eines Vereins, wie es auch in anderen Teilen Deutschlands schon der Fall war und ist. Im Prinzip bleibt den lokalen Geocachern auch gar nichts anderes übrig, denn Ämter und Behörden setzen sich in der Regel nicht mit einzelnen Personen auseinander wenn es um grundsätzliche Dinge geht. Als Verein ist man eine Körperschaft mit einer Struktur und wird somit zumindest wahrgenommen. Das funktioniert umso besser je mehr Unterstützer so ein Verein hat und wenn die Vereinsführung auch als seriöser Ansprechpartner aktzeptiert wird, dann sind das gute Voraussetzungen für einen konstruktiven Dialog. Bisher konnte in konfliktbeladenen Regionen durch die Etablierung von Geocaching Vereinen die Lage entschärft werden und in den meisten Fällen wurde auch Akzeptanz geschaffen und damit einhergehend eine Lockerung von Verboten erwirkt. Auch die Erstellung verbindlicher Regeln, ergänzend zu den GC Guidelines, ist in vielen Fällen das Ergebnis fruchtbarer Zusammenarbeit der Vereine als Interessenvertreter unseres Hobbys und der zuständigen Behörden.

Reaktionen der Community

Allerdings sind nicht alle Geocacher der Ansicht, dass zum einen GC Vereine, oder solche Einrichtungen wie ein Geocaching-Lehrpfad, sinnvoll sind. Nicht wenige vertreten die Ansicht, dass Geocaching mit zunehmender „Regulierung“ seinen Reiz verliert und immer weniger mit seinen Ursprüngen zu tun hat. Doch was sind die ursprünglichen Reize von Geocaching? Ein „Spiel“ in rechtlichen Grauzonen oder gar außerhalb der Legalität? Der „Kick“ etwas zu machen wovon 99% keine Ahnung haben und man sein „Wissen“ nur innerhalb einer „verschworenen“ Gemeinschaft teilt? Eine „Gemeinschaft“ die gesellschaftliche Konventionen nicht akzeptieren will und höchstens bereit ist sich einem selbstgefälligen „Kodex“ zu unterwerfen?

Andere jedoch betreiben Geocaching offensiv, sie kommunizieren mit den „Muggels“, sie berichten öffentlich über ihr Hobby und teilen ihre Erlebnisse. Sie veranstalten Events mit zum Teil Tausenden von Teilnehmern, tauschen sich in Gruppen aus und sorgen für steigende Umsätze bei GC-Plattformbetreibern und -Shops. Diese Geocacher sind auf Konfliktlösung aus, sie wollen vermitteln und klar machen dass Geocaching mehr ist als irgendwo Dosen zu finden, gleich unter welchen Bedingungen.

Geocaching heute

Nun, über die Entwicklung des Geocaching gehen die Meinungen natürlich auch auseinander. Die einen beklagen die zunehmende Kommerzialisierung und Verbreitung, die anderen tun alles dafür damit Geocaching bekannter und somit als Hobby vieler von der Gesellschaft akzeptiert wird. Die einen verteufeln die Smartphone-Cacher, die anderen entwickeln Apps und Tools um Geocaching komfortabler zu machen. Natürlich sorgt ein hoher Bekanntheitsgrad nicht immer nur für positives Echo. Seit Jahren greift die Presse vor allem negative Ereignisse auf und sorgt so für ein getrübtes Verhältnis der unreflektierten Öffentlichkeit zu unserem Hobby. Wobei, und das lässt sich nun mal nicht bestreiten, die Geocacher teilweise auch selbst schuld sind indem sie Aktionen durchführen und durchgeführt haben, die man mit etwas Nachdenken, im besten Fall als sinnfrei bezeichnen kann. Dass z. B. Geocaches auf Bahnhöfen die Bundespolizei auf den Plan ruft, sollte jedem halbwegs klar denkendem Cacher bewusst sein.

Viele Cacher wirken dem negativen Image aber entgegen indem sie z.B. in Blogs oder Foren Aufklärungsarbeit leisten, nicht nur für die (interessierte) Öffentlichkeit, sondern vor allem für den interessierten und lernwilligen bzw. ratsuchenden Geocacher. Hier findet also eine Kommunikation statt und wo Menschen miteinander kommunizieren gibt es zwar auch mal Missverständnisse und Fehlinterpretationen, doch all das ist besser als den Mantel des Schweigens über alles zu breiten. Wer nicht miteinander redet kann keine Standpunkte austauschen, kann keine Missverständnisse ausräumen und keinen Konflikt lösen.

Fakten:

  • Geocaching ist längst keine „Untergrund“-Aktivität mehr, auch wenn sich einige noch so aufführen
  • Geocaching wird nicht nur von Groundspeak als Betreiber von geocaching.com vermarktet, sondern von unzähligen GC-Shops, Outdoor-Ausrüstern, Event-Agenturen, Tourismus-Organisationen u.v.a.
  • Geocaching hat (oft) keine Lobby, weil es keine organiserten Strukturen und zentralen Ansprechpartner gibt (das war bei den Mountainbikern auch mal der Fall und heute bewirken die sogar Gesetzesänderungen)
  • Geocaching ist mittlerweile der breiten Öffentlichkeit bekannt und beschäftigt nicht nur die Exekutive sondern auch die Legislative
  • die Akzeptanz von Geocaching als Outdoor-Aktivität steigt mit zunehmder Entmystifizierung

Es liegt an uns allen zu beinflussen wie wir und unser Hobby wahrgenommen werden.

Ein Geocaching Lehrpfad ist eine klasse Sache!

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3 Antworten

  1. webmicha sagt:

    Ein ging ein anonymer Hinweis auf einen Geocaching Lehrpfad im BDP Bundeszentrum Immenhausen bei Kassel ein.

    Dieser wurde 2013 für das Bundestreffen der Pfadfinderjugend angelegt.
    Leider kann ich dazu keine weiteren Infos finden, auch nicht ob dieser GC Lehrpfad für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

    Vielleicht weiß ja jemand was dazu?

    • Hallo Webmicha,

      oh, spannend. Immenhausen ist quasi vor unserer Haustür (Kassel).

      Da hör ich mich mal um, zumal wir als Deutsche Wanderjugend exakt dort ein großes Zeltlager für August 2015 planen.

      Übrigens auch hier noch mal der Hinweis auf das Mitmach-Wiki unter http://www.geocaching-dialog.de, damit Eure Tipps, Hinweise und Ideen rund um Sensibilisierung beim Geocaching für alle nutzbar werden.

      Herzliche Grüße
      Jörg (Team Geocaching.de & Deutsche Wanderjugend)

  2. Carsten Gerdes sagt:

    Hallo,, auch wir in Soltau, Niedersachsen verfügen über einen Lehrpfad mit Hinweisschildern.
    Alles durch Einzelinitiative des Owners. Anschließend von der Stadtverwaltung begrüßt und durch Anschaffung zweier GPS-Geräte, ausleihbar in Touriinfo, unterstützt.
    dazu gibt es einen eigenen, nicht bei gc.com gelisteten Multi zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

    GC2965F
    GC27RMN
    GC27RM6
    GC27RME
    GC27RM4
    GC2B1DD

    ciao TrekkingPope