Geocaching in Altensteig – Stoff für Diskussionen

März 2012

Die Stadt Altensteig im Schwarzwald hat zweifelhafte Berühmtheit in der Geocaching-Szene erlangt, weil der Gemeinderat ein Verbot für das Auslegen von Geocaches auf der Gemarkung der Stadt ausgesprochen hat. Grund dafür war „GEOCACHING FOREVER“ eine Cacheserie von 286 Dosen, aufgeteilt auf 19 Runden mit einer Streckenlänge von rund 130 km. Der entsprechende Beschluss des Gemeinderats kann als PDF vom Server der Stadt Altensteig heruntergeladen werden.

JR849 hat das damals ganz gut in seinem Blog mit dem Artikel „Wenn die Masse zum Problem wird“ beleuchtet, trotzdem war die Entrüstung in der Community groß! Dass das Ganze nicht unproblematisch war, zeigte sich bald. Von der Veröffentlichung der Runden im Dezember 2011 bis zur Archivierung im Juni 2012, wurde jede dieser Dosen zwischen 200 und 400 mal als gefunden geloggt. In Summe waren es über 89.000 Fundlogs, verteilt auf über 600 GC Accounts.

Dabei haben sich nicht alle Cacher vorbildlich verhalten und es war nur eine Frage der Zeit bis die ersten Beschwerden aufkamen und sich die Gemeindeverwaltungen mit etwas befassen mussten, worüber sie wohl besser im Vorfeld informiert worden wären. Die Sichtweise der Owner ist immer noch auf der eigens eingerichteten Webseite zu sehen, und vieles mehr.

Im Nachhinein betrachtet, hat sich wohl niemand der Beteiligten mit Ruhm bekleckert, weder die Stadt Altensteig und deren betroffene Nachbargemeinden, noch die Geocacher.

Aktuelle Cache-Sättigung in Altensteig

Im nachfolgenden Bild sieht man die aktuell veröffentlichten Geocaches bei geocaching.com. Die rote Linie zeigt die Gemarkungsgrenze der Stadt Altensteig und im oberen Teil sieht man zum Vergleich die archivierten Caches von „Geocaching Forever“. Die drei neuen Caches, die im Auftrag der Gemeinde erstellt wurden, sind pink eingekreist. Daneben gibt es noch einige andere Caches auf der Gemarkung von Altensteig und diese liegen teilweise schon seit 2005 da. Allerdings gab es keine neuen Caches mehr von Geocachern, das ist ja nach dem Beschluss des Gemeinderats verboten.

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Oktober 2012

Nach dem im März ausgesprochenen Geocachingverbot, berät der Gemeinderat in Altensteig wieder zum Thema Geocaching. Dieses mal soll Geocaching touristischen Zwecken dienen und der Rat beschließt dafür einen Dienstleister zu beauftragen. Natürlich greift die lokale Presse das Thema ebenfalls auf und wieder ist die Entrüstung in der Geocaching-Community groß.

Der ausgesuchte Dienstleister lehnt den Auftrag ab und verweist auf die Geocacher vor Ort, schließlich gäbe es da Potenzial gemeinsam ein ansprechendea und tourismus-taugliches Geocaching-Angebot zu entwickeln. Danach herrscht für lange Zeit Stille und das sprichwörtliche Gras beginnt über die Sache zu wachsen…

Februar 2015

Heute am 3. Februar 2015, wurden drei Multis in Altensteig auf geocaching.com veröffentlicht. In der Geocaching Community kommt das natürlich wie ein Paukenschlag an. Die Diskussionen kochen sofort wieder hoch und es dauert nicht lange bis die ersten Kommentare in den betroffenen Listings erscheinen. Mittlerweile sind auch einige Need-Archive-Logs gemacht worden.

Nun, die Reaktion der GC Community ist zwar verständlich, in der Sache jedoch wenig konstruktiv. Stein des Anstoßes sind natürlich die Erinnerungen an 2012 und das geltende Verbot für privat ausgelegte Caches. Davon abgesehen sind die Listings weit von dem entfernt was man normalerweise unter einen guten Geocache-Listing versteht: sie enthalten nämlich keine Beschreibung.

Der oder die Ersteller der Listings haben die Aufgabenstellungen für die Multis lediglich bei den Wegpunkten formuliert. Ansonsten gibt es keinerlei erklärenden Text oder Bilder. Das mag formal in Ordnung sein, wirft jedoch ein seltsames Licht auf die Verantwortlichen. Schließlich sollen die von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Geocaches das touristische Angebot der Stadt Altensteig aufwerten. Mit der Konzeption und Umsetzung wurde eine Firma (Name ist der Redaktion bekannt) betraut, die im Umfeld touristischer Projekte tätig ist. Um wen es sich dabei handelt ist aus dem Genehmigungsschreiben der Stadt Altensteig ersichtlich, welches zunächst mit einem der Caches veröffentlicht, mittlerweile jedoch entfernt wurde. Das Schreiben liegt als Kopie vor.

Ersten Logs zufolge – es verwundert nicht, dass lokale Geocacher sich anschauen was da ausgelegt wurde – scheint es mit der Qualität der Verstecke auch nicht weit her zu sein.

Kommerz oder nicht?

Die Frage nach dem kommerziellen Hintergrund muss auch gestellt werden. Mit dem Beschluss des Gemeinderats der Stadt Altensteig im Oktober 2012, sollte Geocaching der touristischen Aufwertung des Luftkurorts im Nordschwarzwald dienen, also kommerziellen Interessen. Zwischenzeitlich hat Groundspeak im Sommer 2013 für solche Zwecke die GeoTours ins Leben gerufen, denn laut den Regeln von Groundspeak sind kommerzielle Caches auf der Plattform geocaching.com nicht erlaubt. Insofern steht die Frage im Raum, ob Geocaches die von oder im Auftrag einer Gemeinde zum Zwecke der tourististischen Aufwertung erstellt werden, überhaupt regelkonform sind und ohne weiteres veröffentlicht werden dürfen.

Geocaching in Altensteig

Alles in allem verwundert es, dass die Stadt Altensteig, zusammen mit einem professionellen Touristikdienstleister, nicht in der Lage ist die lokalen Geocacher einzubeziehen und dann selbst etwas der Öffentlichkeit vorstellt, das jeglichen Qualitätsanspruch offenbar vermissen lässt. Auf jeden Fall sorgt die Stadt Altensteig zum wiederholten Male für Diskussionsstoff in der Geocaching Szene.

Man darf gespannt sein, was da noch alles passiert.

Update, 04.02.2015: 
Zwischenzeitlich hat in den sozialen Medien ein regelrechter Shitstorm eingesetzt und auch die Listings werden entsprechend kommentiert. Der zuständige Reviewer hat sich mittlerweile ebenfalls per Reviewer Note zu Wort gemeldet und die Angelegenheit dem Geocaching HQ zur weiteren Entscheidung vorgelegt. Außerdem wurden die Listings für weitere Einträge gesperrt.

Ich habe den Kulturamtsleiter der Stadt Altensteig angeschrieben, außerdem die Groundspeak Community Betreuerin Annika sowie die Lokalredation des Schwarzwälder Boten in Nagold.

Annika hat mir mitgeteilt, dass sich das HQ um die Angelegenheit kümmert.

Aus Altensteig sowie vom Schwarzwälder Boten gab es bis jetzt jedoch keine Antworten.

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8 Antworten

  1. JR849 sagt:

    Februar 2015, nicht Februar 2014 😉

  2. Gate sagt:

    Hallo, die Stadt Nagold wurde auch von Altensteig zur Beteiligung aufgefordert und hat sich darauf hin erstmal mit der örtlichen Cachergemeinde in Verbindung gesetzt.
    Bei einem Treffen wurde mit einigen Geocachern würde diskutiert und schnell war auch klar das so etwas wie in Altensteig dieser Tage eigentlich überflüssig ist.

    Vielleicht hätte man ja auch mal im Rathaus von Altensteig auf die Karte von GC schauen sollen oder zumindest die Email beantwortet die ich zum meinem Cache am Bömbachsee verschickt hatte das wäre doch nur normal.

    Von der Geldvernichtung wollen wir ja erst gar nicht erst sprechen….

    Gruß Gate

    • webmicha sagt:

      Die Stadtverwaltung von Altensteig scheint etwas „eigenwillig“ zu sein. Bin gespannt ob ich eine Antwort bekomme. Nach dem was man so liest wohl eher nicht…

  1. 8. Februar 2015

    […] Anfang der Woche hatte ich zu “Geocaching in Altensteig – Stoff für Diskussionen” geschrieben nachdem dort drei neue Caches veröffentlicht wurden, und das Thema wurde […]

  2. 13. Februar 2015

    […] die drei Caches, welche im Auftrag der Stadt Altensteig ausgelegt und für massive Proteste und Diskussionen in der Geocaching Community gesorgt haben, auch geocaching.com archiviert […]

  3. 17. Februar 2015

    […] Altensteig hat ja vor einiger Zeit für Aufregung gesorgt indem sie die beliebte Cacheserie “Geocaching Forever” verboten hatte. Durch das Altensteiger Stadtmarketing wurden nun drei neue Caches ausgelegt, die aber […]

  4. 20. Februar 2015

    […] Geocaching in Altensteig – Stoff für Diskussionen (03.02.2015) […]

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